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XII Mitteldeutsche Lyriknacht

17.10.2013  - 18:00 - 22:00 Uhr

Wir laden herzlich am 17.10.12 - 18:00 Uhr zur XII. Mitteldeutschen Lyriknacht nach Weimar ein!

Es lesen:

Lars Reyer führt seine Leser durch industrialisierte Landschaften. Über »Schotterstraße(n)«, vorbei am »Elektro-Weidezaun«, durch »Treppenhäuser« und »in die Keller«; die »ausgehöhlten Räume der Ex-Industrie« blühen vor uns auf, ein »prächtiger Walduntergang«. Es ist kein Entkommen, keine Flucht möglich – wohin auch? Das Material, mit dem Reyer arbeitet, ist die »Stahlwolle«, der »chromumflirrte Kopf der Silberdistel«, er nimmt »Schraubenzieher, -schlüssel« und das »Ansaugrohr« zur Hand. Wir folgen ihm in eine Welt des Rausches, hören seine Tapes, bewundern seine Anlehnungen, wie zum Beispiel an Robert Gernhardt (»Ich kann nicht in Terzinen schreiben«) und trinken seinen Schnaps aus »Holunderbeeren, weiße(m) Klee«.
»Am Ende gehen die Körper«, sagt Lars Reyer; und er sagt auch: »Junge komm nie wieder.« Das glauben wir nicht.

Sascha Kokot: »Kein Ort zum Unterkommen«. Wer sich auf Sascha Kokots Gedichte einlässt, weiß, wie es sich anfühlt, der letzte Mensch auf Erden zu sein. Rodung schlägt eine Kälteschneise in unsere wohltemperierte Gegenwart: Es schneit, es ist still, kalter Rauch liegt in der Luft. Etwas ist zu Ende gegangen – ob etwas Neues beginnt, weiß niemand zu sagen. Sensibel und empathisch, gleichzeitig kühl und ohne jegliche Sentimentalität erkundet Sascha Kokot Orte und Landschaften, die weitgehend verlassen sind; (Ab-)Räume, die nur noch um ihrer selbst willen existieren. Von den Menschen ist nichts als das »Schwemmholz ihrer Herkunft« geblieben, das Geschichte und Gegenwart, Eigenes und Fremdes in eins setzt. Klare, spröde, auf das Notwendige reduzierte Verse von irritierender Schönheit.

Kerstin Becker: "Poesie ohne Schonbezüge ... Das sind Bilder, die bleiben, ... Wenn es stimmt, wie es Gerhard Falkner einmal gesagt hat, dass ein gelungenes Gedicht einen Augenblick, einen Moment für das Schillern des Lebens bewohnbar mache, dann haben wir hier einen Gedichtband vor uns, der im wahrsten Sinne des Wortes einleuchtet." Hellmuth Opitz

"... prallbunt, sinnlich flirrend, und von einer atemlosen Gier nach Leben durchflutet sind die Gedichte. So unverhüllt und offen, direkt und unmittelbar hat man sinnliche und sexuelle Erfahrungen seit Anne Sexton (auf die sich ein ganzer Zyklus spiegelnd beruft), Muriel Mukeyser und Denise Levertov selten einmal gelesen. ..." Jürgen Brocan

Roland Bärwinkel "hat sein Debüt vorgelegt, mit 112 Seiten einer der kräftigeren Bände der vielgepriesenen Weimarer Edition Muschelkalk. Und natürlich ist Bärwinkel mit seinen 53 Jahren auch kein Debütant - selbst wenn der Band "Bevor es zu spät wird" sein erstes Buch ist. Nein, es ist nie zu spät, einen Dichter zu entdecken. Und wenn ein Band die Gedichte nach Alphabet ordnet, so zeigt dies anarchische Ordnungsliebe, wo doch Gedichte sonst wie Blumen zu Sträußen gebunden werden. Dieser Autor nennt einen Text "Kränkungen fallen im Garten" und stellt ihn zwischen "Klinikkunst" und "Los". Bärwinkel, der als Panzerfahrer drei Jahre "Fahne" erlitt, ein studierter Germanist und praktizierender Bibliothekar, hat eine Vorliebe für skurrile Bilder, überraschende Wörter, ausufernde Texte." (Matthias Biskupek)

UND

Brigitte Struzyk "Die Gedichte von Brigitte Struzyk sind Energiefelder, sie verfügen über den unbe­dingten Willen zur Gegen­wärtig­keit, haben keine Scheu vor aktuellen Bezügen. Hinzu kommt das kompo­sito­rische Geschick, auch disparate Dinge unan­gestrengt miteinander zu verknüpfen, überhaupt: Das mühe­lose Parlando ist eine der hervor­stechenden Quali­täten von Struzyk. Und nicht zu ver­gessen das Über­raschungs­moment. Das Startgedicht „Die tote Tafel­ente vom Bodensee“ beginnt geradezu pro­gramma­tisch: „Die Unschuld der Wörter / stelle ich über deren Verwaltung/Sie sollen so kommen, / wie sie wollen. / Wird ihnen etwas abverlangt, / werden sie schwer...“ (Hellmuth Opitz)

Es musizieren die Schüler und Schülerinnen des Musikgymnasiums Belvedere.


Veranstalter:

gemeinsame Veranstaltung mit der Literarischen Gesellschaft Thüringen, der Kulturdirektion Weimar und dem Musikgymnasium Schloß Belvedere

 

Ort:
Musikgymnasium Schloß Belvedere

 

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