Anna Magdalena Bach - Eine Rückschau

Aus dem Jahr 1722 stammt das erste Notenbüchlein, welches größtenteils Werke von Johann Sebastian Bach beinhaltet und Bachs zweiter Frau Anna Magdalena Bach gewidmet war. Das zweite Notenbüchlein entstand 1725 und fasst mehrere Stücke von Anna Magdalena Bach selbst.

Diese Sammlung barocker Kammermusik bildete den Grundstein für ein Projekt, welches der Lese-Zeichen e.V. in Kooperation mit der Musik- und Kunstschule Jena, der Imaginata und dem Jugendbildungs- und Begegnungszentrum polaris im März 2013 veranstaltete:

Das Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach - Eine literarische musikalische Liebhaberei in III Akten

Für den ersten Akt, eine Hausmusik mit Lesung in der Villa Rosenthal am 22.03. haben sich die vier Schriftsteller Andrè Schinkel, Christian Rosenau, Bärbel Klässner und Nancy Hünger mit der Musik befasst und davon inspiriert verschiedene Texte verfasst. Im Wechsel mit den gelesenen Texten brachten Katrin Schoeder-Schwarz (Querflöte), Philine Teige (Violoncello), Helga Assing (Klavier) und Claudia Zohm (Gesang), Lehrerinnen der Musik- und Kunstschule Jena, ausgewählte Stücke aus den Notenbüchlein zum Klingen. Das Publikum in den voll besetzten Räumen der Villa Rosenthal war spürbar begeistert vom spielerischen Umgang mit der barocken Hausmusik und den stellenweise (selbst-)ironischen Texten, welche ganz ungezwungen musikalische Traditionen hinterfragten. Diese abwechslungsreiche Veranstaltung war auch ein Beitrag zur Langen Nacht der Hausmusik, mit der die Thüringer Bachwochen 2013 eröffnet wurden.

Im zweiten Akt waren es jugendliche SchülerInnen der Lobdeburg-Schule und des Zeissgymnasiums, die sich mit der Musik aus den Bachschen Notenbüchlein auseinandersetzten. Unter Anleitung der Slam Poeten Dominique Macri und Dalibor Markovic haben sie selbst in mehreren Workshops Texte für einen mehrteiligen Poetry Slam verfasst. Am 23.03. kamen im polaris die besten acht Texte zur Aufführung und wurden, wie bei einem Poetry Slam üblich, durch das Publikum bewertet. Für die passende Livemusik sorgten an diesem Abend SchülerInnen der Musik- und Kunstschule Jena, die unter Leitung von Konstantin Erhardt verjazzte und modern arrangierte Neuinterpretationen zu Werken aus den Notenbüchlein spielten. Gewinnerin des Poetenwettstreits war die 18-jährige Desiree aus der Lobdeburg-Schule, die sich damit für die mitteldeutschen Schulmeisterschaften im Poetry Slam qualifiziert hat.

Der dritte und vorerst letzte Akt des Projektes zu Anna Magdalena Bachs Notenbüchlein  fand am 24.03. in der großen Spielhalle der Imaginata statt. Der Kinderbuchautor und Sprecher Hubert Schirneck, das Kinderorchester der Musik- und Kunstschule Jena unter Leitung von Ingo Geppert sowie sieben von Kay Kalytta angeleitete Perkussionisten verzauberten die Gäste mit einer konzertanten Lesung. Die Geschichte „Anna B. gräbt einen Tunnel“, die Hubert Schirneck eigens für das Projekt verfasste, erzählt von der kleinen Anna, ihrer Liebe zur Musik und einer ganz wunderlichen Begegnung unter der Erde. Mit phantasievollen Klängen und Melodien, von Bachs Musik inspiriert, verhalfen das Streichorchester und die im Raum verteilten Perkussionisten dem Publikum zu märchenhaften Bildern im Kopf. Dabei erwies sich die Imaginata einmal mehr als magischer Ort, der Inspirations- und Experimentierraum zugleich ist.

Das Experiment ist geglückt und hat gezeigt, wie spannend es sein kann, neue und ungewöhnliche Zugänge zu alter Musik zu suchen und zu kreieren.

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