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05.11.2008

WortKlang in Greiz

von Irmengart Müller-Uri Greizer Heimatbote

Die letzte Veranstaltung des Monats Oktober fand am 30.10. noch einmal in der Greizer Stadt - und Kreisbibliothek statt. Zum dritten Mal war Dr. Martin Straub vom Verein "Lesezeichen" e. V. aus Jena zu Gast und hatte in
Team-Arbeit -wie er selbst betonte - mit der Leiterin der Bibliothek, Corina Gutmann, sowie Dr. Helge Wittmann von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und Uwe Borchardt von der Sparkasse Gera/Greiz als Sponsoren drei junge Lyriker zu Lesungen nach Greiz verpflichtet. Es war
die Abschlussveranstaltung der Reihe "Wortklang" 2008.
Dank der regen und vielseitigen Veranstaltungstätigkeit der Greizer Bibliothek sind interessierte Greizer Leser in den letzten Jahren schon mit den verschiedensten Formen moderner Lyrik vertraut gemacht worden. Doch dieser Abend am Donnerstag war das i-Tüpfelchen von allen bisher in der Bibliothek stattgefundenen Lesungen moderner Lyrik.
Es begann Kai Agthe, MA, Germanist und Herausgeber der Thüringer Buchreihe "Muschelkalk". Seit 2005 ist er Mitglied des deutschen PEN-Zentrums und wurde durch seine Forschungsarbeit über Friedrich Nietzsche bekannt.
Agthe schreibt nur wenige Gedichte im Jahr, verständlich bei einem so großen beruflichen Engagement. Unpathetisch und absolut nicht vordergründig, aber dennoch fesselnd las er zum Beispiel Verse über "Darßer Ort", "Gedicht auf den Sanddorn" oder auch "Im Schatten der Stadt N", die seine Sicht dieser Landschaft mit wenigen Worten charakteristisch
schildern. Eindringlich und berührend war die Ehrung seiner Vorfahren in einem Gedicht, das mit folgenden Versen schloss: "Es ist eine Erinnerung an der Hände Arbeit und den Tod im Krieg." Ganz anders betrat Fiva, mit
dem bürgerlichen Namen Nina Sonnenberg die Bühne. Sie las nicht, sondern rezitierte im Stehen und Laufen, mit Mimik und Gestik voller Power ihre Gedichte im RAP-Stil. Da ging es um eine Betrachtung der Frauen mit dem Titel "Blaue Flecken", bei der so gut wie nichts fehlte, was Frauen tun und erleben, auch das, was man ihnen oft nicht zutraut. Auch ihr Gedicht "Vater" hatte großen Realitätsbezug. Er war streng, aber sie liebte ihn.
"Solang ich Deine Kleidung zahl/ ist mir Deine Meinung egal". Einige Gedichte trug sie auch zu Musik vor, zum Beispiel "Vier Wände" und "Zeit, die mir bleibt". Wer Fiva und ihre Gedichte live erlebt hat kann verstehen, dass die Diplom-Soziologin, die unter anderem Poetry- Work-Shops an den Münchener Kammerspielen und beim Internationalen
Brecht-Festival in Augsburg leitete, schon mehrfach bei SLAM -Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet wurde. Nicht weniger beeindruckend war Nancy Hünger, ebenfalls eine junge Poetin aus
Erfurt. Sie offenbarte eine Welterfahrung ganz anderer Art. Zart im Ton und zurückhaltend beim Verlesen ihrer Gedichte, schilderte sie ihr Erlebnis des Landes Israel. Da geht es unter anderem nach Bethlehem, in eine Stadt "anstrengender Kontraste" und "Dämmerzonen zwischen
Jahrtausenden". Oder auch zum "Sonnenaufgang in Jerusalem", den sie in vielen Facetten feinsinnig schildert. Überall entdeckt sie Widersprüchliches, das aber zugleich das Charakteristikum des Landes, seiner Städte und Bewohner ist. Nancy Hünger erhielt für ihre Lyrik in diesem Jahr ein Stiftungsstipendium von Hubert Burda. Es war nicht nur ein wunderschöner Abschluss des Monatsprogramms, sondern auch ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft.