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01.12.2011

"Wir sind Bach": Programm für Thüringer Bachwochen 2012

von Wolfgang Hirsch TLZ

Der Pianist Anatol Ugorski gibt sich die Ehre. Foto: Peter Himsel

"Bachs Marketing für Luthers Kirche": So würde ein unfrommer Werbestratege das Thema der Thüringer Bachwochen 2012 übersetzen. In der Tat geht es vom 30. März bis 22. April in Anlehnung an die Lutherdekade um "Reformation und Musik" - und damit nicht zuletzt um die Fragen, inwieweit die Kunst des Tonsetzers aus Eisenach das Ideengut des Wittenberger Theologen befördert und propagiert hat. Erfurt. Und umgekehrt: Ob Luther in dessen Musik einen wahrhaftigen Ausdruck des Glaubens erkannt hätte, sofern er sie noch hätte hören können.

So überrascht das Bachwochen-Programm zum nächsten Osterfest erstmals auch mit Vorträgen und Symposien neben insgesamt 51 Konzerten in 13 Städten. All das verspricht geistige Substanz und spirituelle Erbauung und überdies ein erhebliches Maß an kultureller Identifikation in Thüringer Landen. Kulturminister Christoph Matschie (SPD) formulierte pointiert: "Wenn die Bachwochen in Thüringen beginnen, heißt es 'Wir sind Bach'."

Bewusst hat man das Auftakt-Prozedere so gewählt: Ein Podiumsgespräch u. a. mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und Bachwochen-Präsident Silvius von Kessel im Eisenacher Bachhaus, dann ein Gottesdienst in der Georgenkirche und abends eine Matthäuspassion eröffnen einen Tag vor Palmsonntag das Festival. Die musikalischen Ausführenden, das Dunedin Consort & Players aus Schottland, gelten ebenso wie jene des Abschlusskonzerts am 22. April im Erfurter Dom, das flämische Ensemble "graindelavoix" als Geheimtipp. Ohnehin hat man in der Ägide von Kessels und seines Geschäftsführers Christoph Drescher so viel Vertrauen in die künstlerische Qualität gewonnen, dass man Veranstaltungen auch dann besucht, wenn mal keine Promis annonciert sind.

Die gibt es freilich zuhauf, etwa mit Jordi Savall & Le Concert des Nations (6.4.), mit einem Ensemble der Wiener Sängerknaben (12.4.) zur Wiedereröffnung der Jenaer Stadtkirche, mit der designierten Händelpreisträgerin Ragna Schirmer (9.4.), Anatol Ugorski (1.4.) und Evgeni Koroliov (13.4.), mit der Lautten Compagney (14.4.) oder der Hamburger Ratsmusik (14. 4.). Dazu kommen mindestens drei famose Geiger: Midori Seiler aus Weimar (11.4.), der australische Shootingstar Ray Chen (20.4.) und die Isländerin Elfa Ruin Kristinsdóttir (7.4.), die den Bach-Wettbewerb Leipzig gewann. Noch nicht ganz soweit ist die Thüringerin Friederike Starkloff, die in der Nachwuchsreihe "Generation Bach" just in Waltershausen ein wahrhaftiges Heimspiel hat.

Vieles gilt es - mit ein bisschen Abenteuerlust - zu entdecken: wie das Concerto Copenhagen, ein führendes unter den skandinavischen Alte-Musik- Ensembles, Gli Angeli Genève oder Il Suonar Parlante. Und natürlich auch Musikwerke, die etwas abseits des Bach-Standardrepertoires liegen. Anregende, erhebende Bachwochen werden das sicherlich, obschon sie - da Tanzexperimente fehlen und die Zahl der Kantatengottesdienste erhöht wurde - eine gewisse protestantische Strenge ausstrahlen. Dennoch darf auch, wer sich nicht allzu glaubensstark fühlt, sie besuchen, ohne vermittels Musik einen Bekehrungszwang zu verspüren.

Das Budget der Bachwochen hat sich dank 110.000 Euro vom Bund und 170.000 Euro an Landeszuwendungen auf eine halbe Million Euro erhöht; zu den wichtigsten weiteren Geldgebern zählen naturgemäß die Bachstädte, die Mitteldeutsche Barockmusik und die Sparkassen- Finanzgruppe, aber auch Unternehmen wie Russ & Janot und das Dorint Weimar. 40 Prozent des Etats bildet das prognostizierte Einspielergebnis. Das Erfolgsmodell funktioniert. Matschie lobte die Veranstalter, weil sich seit 2005 die Zahl der Besucher auf 18.000 verdreifacht habe. Für die Saison 2012 beginnt der Vorverkauf am Donnerstag.

Tickets/Infos in den TLZ-Pressehäusern, unter Tel. 03 61 / 3 74 20 oder

www.thueringer-bachwochen.de