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04.12.2004

Weihnachtliches mit milder Ironie

von S.B. Ostthüringer Zeitung

Geschichten von Karl Heinrich Waggerl in der Stadtkirche Ranis

Ranis (OTZ/S. B.). Immer wieder kurz vor dem Jahresende rückt Karl Heinrich Waggerl ins Zentrum des literarisch-festlichen Massengeschmacks: Von seinen Weihnachtserzählungen gibt es Dutzende Editionen, wahrscheinlich fast genauso viele CD-Einspielungen und Lesungen in großen Sälen und kleinen Kaminzimmern. Das Weihnachtsprogramm "Die Sehnsucht bleibt die heile Welt", das die Literaturakademie Burg Ranis am Donnerstag präsentierte, näherte sich jedoch dem Dichter auf eine andere Weise.

Warnfried Altmann am Saxophon und Hermann Nehring am vielfältigen Perkussionsinstrumentarium kommentierten die Verse und Geschichten Waggerls, die Ludwig Schumann las. Dabei - und das war das bemerkenswerte an diesem Weihnachtsprogramm - nahmen sie die milde Ironie des österreichischen Schriftstellers auf.

Ausschnitte aus Karl Heinrich Waggerls berühmten Weihnachtserzählungen begeisterten denn auch das Publikum, das recht zahlreich in die Stadtkirche von Ranis gekommen war. "Weisen Humor" haben ihm Kritiker attestiert, und der war am Donnerstagabend zu verspüren. Da schmückt der im Jahre 1897 geborene Waggerl mit Episoden um den Esel im Stall die biblische Weihnachtsgeschichte aus, erzählt vom glücklichen König Melchior oder berichtet, wie ein Floh das Jesuskind zum Lächeln bringt.

Diese Geschichten, klug ausgewählt von Ludwig Schumann, und die Musik, geschickt angesiedelt zwischen Bach und Jazz, haben für einen besonderen Abend in Ranis gesorgt.