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21.11.2007

Von der Prinzessin, die nicht backen konnte

von Katharina Reich TLZ

Erfurt. (tlz) Der König von Makronien, der sich schon seit einiger Zeit gerade in seinen besten Jahren befand, war eben aufgestanden und saß unangezogen auf dem Stuhl neben dem Bett. Vor ihm stand sein Hausminister und hielt ihm die Strümpfe hin, von denen der eine ein großes Loch an der Ferse hatte. - Mit diesen Worten beginnt das Märchen "Von der Prinzessin, die keine Pfeffernüsse backen, und dem König, der nicht das Brummeisen spielen konnte". Andreas vom Rothenbarth hat diese Geschichte ausgewählt, um sie am Abend des Sponsorenessens zugunsten der Thüringer Märchentage vorzutragen. "Sie passt einfach zum Motto des Abends", sagt der Märchenerzähler. Denn um die Künste und die Musen soll es gehen, wenn sich wieder märchenbegeisterte Menschen zusammenfinden, um für einen guten Zweck zu schlemmen.
Der bekannte Erfurter Märchenerzähler kommt wie immer gern zu dem Sponsorenessen. Auf die Frage, weshalb, antwortet er keck: "Ich esse einfach gern. Und ich weiß, dass es an diesem Abend sehr gutes Essen gibt." Er weiß, wovon er spricht, denn es ist bereits das zwölfte Mal, dass Rothenbarth beim Sponsorenessen zugegen ist.

Der Abend wird von dem Lesezeichen-Verein, dem Intercity-Hotel und der TLZ organisiert. "Das ist eine tolle Sache", sagt der Märchenerzähler. Dank dieser Veranstaltung können auch im nächsten Jahr die Menschen wieder mit Märchen beglückt werden.

Drei Geschichten wird Rothenbarth dem Publikum bei Tisch vortragen. Die Herausforderung des Sponsorenessens sieht Rothenbarth darin, die Erwachsenen zu überzeugen, dass Märchen etwas für sie sind. "Denn das sind sie auf jeden Fall." Wer kann sich nicht in einen König und eine Prinzessin hineinversetzen, die ganz bestimmte Vorstellungen von ihrem zukünftigen Partner haben und nur zögerlich bereit sind, Kompromisse einzugehen?

"Märchen passen in jede Lebenssituation. Durch die knappe Sprache hat der Hörer die Möglichkeit, eigene Bilder zu schaffen, die emotional ganz nah an der Seele liegen."

Andreas vom Rothenbarth schätzt es, dass sein erwachsenes Publikum Geschichten sehr intensiv reflektiert. Bei den Sponsorenessen der vergangenen Jahre sei er immer mit Gästen ins Gespräch gekommen, die so eine Art " Aha-Effekt" beim Zuhören hatten. Deshalb schätzt der Märchenerzähler so kleine Runden. "Wissen Sie, Märchen zu erzählen ist eine sehr intime Sache." Die Atmosphäre beim Erzählen sei das eigentliche Erlebnis, das Märchen plötzlich lebendig werden lässt, den Zuhörer mit einbezieht und mit sich fortführt. Rothenbarth selbst beschreibt diesen Vorgang als den "Aufbau einer filigranen Kuppel aus Duft, Kerzenschein und dem Klang von Stimme, an deren Aufbau alle Teilnehmer, Erzähler wie Zuhörer, gemeinsam mitwirken".

Wenn der bärtige Thüringer sagt, dass er im Märchenerzählen sein Glück gefunden hat, glaubt man ihm sofort. In Staunen versetzt er einen erst, wenn er erzählt, dass er von 1978 bis 1981 an der Ingenieurschule in Jena studiert hat und sich als freiberuflicher EDV-Berater mit Computerschulung befasste.

Doch obwohl er damals erfolgreich war, kam Rothenbarth, der mit bürgerlichem Namen Andreas Hildebrandt heißt, irgendwann die Einsicht, dass Märchen mehr gebraucht werden. "Informatiker sind nicht wichtig zum Retten der Welt."

Seit Rothenbarth Märchen in seiner Kindheit gehört hat, lassen ihn die zauberhaften Geschichten nicht mehr los. Er sammelte Märchenbücher, las Freunden vor, schrieb eigene Geschichten und tritt seit 1993 als Märchenerzähler öffentlich auf. Heute verzaubert er jährlich 9000 Zuhörer mit seiner Stimme. "Märchen sind Kommunikation, vielleicht die älteste Kommunikationsform der Menschen überhaupt", sagt Rothenbarth, und meint damit Kommunikation im ursprünglichen Sinne, zwischen Menschen, und zwischen Generationen.

Eine eigene Geschichte bringt der Märchenerzähler auch zum Sponsorenessen mit. "Ich habe sie extra für diesen Anlass geschrieben. Sie heißt ,Der Flötenspieler´. Mehr wird allerdings noch nicht verraten", sagt er mit geheimnisvoller Stimme. Nur so viel: Sie wird jedem, der an dem Sponsorenessen teilnimmt, mit der Menükarte überreicht.

Die Schirmherrschaft für das Essen und die Märchentage übernimmt Staatssekretär Kjell Eberhardt vom Thürin ger Kultusministerium, der selbst an diesem Abend ein Märchen erzählen wird.

i Sponsorenessen, Freitag, 30. November, 19 Uhr, Inter-City-Hotel Erfurt. Der Preis für das Märchenessen inklusive Aperitif, Märchenmenü und korrespondierender Weine beträgt 39,50 Euro. Der Erlös kommt den Märchentagen zugute. Reservierungen bitte bis zum 26. November per Tel. 0361/56000.