Presse - Details

 
27.11.2012

Veranstaltungsreihe zum Gedenktag der Bücherverbrennung geplant

von dapd TLZ

Die Landeszentrale für politische Bildung und der Thüringer Literaturrat planen eine Veranstaltungsreihe zum Gedenktag der Bücherverbrennung. Archiv-Foto, Montage: Dirk Bernkopf

Anlässlich des 80. Jahrestages der nationalsozialistischen Bücherverbrennung in Berlin wollen die Landeszentrale für politische Bildung sowie der Thüringer Literaturrat auf die Verfolgung von Schriftstellern hinweisen.

Erfurt. Mit einer mehrmonatigen Veranstaltungsreihe sollten dabei vor allem Schüler angesprochen werden, sagte der stellvertretende Leiter der Landeszentrale, Peter Reif-Spirek, am Montag in Erfurt. Konkret sei geplant, Autoren aus ganz Deutschland zu Lesungen in Schulen des Freistaates einzuladen.

Die Reihe soll vom 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, bis zum 10. Mai, dem 80. Jahrestag der Bücherverbrennung, gehen. Die Reihe richtet sich nicht ausschließlich an Schüler. Neben den Lesungen in Schulen soll es unter anderem mehrere Abendlesungen sowie eine Plakataktion geben, mit der die Menschen auf den Jahrestag aufmerksam gemacht werden sollten, sagte der Geschäftsführer des Literaturrates, Jens Kirsten.

Die Reihe richte sich an alle Thüringer, weshalb gleichzeitig jeder aufgerufen sei, sich in irgendeiner Form daran zu beteiligen. So könne er sich etwa vorstellen, dass Menschen zum Jahrestag der Bücherverbrennung auf Marktplätzen von Städten und Gemeinden aus damals verbrannten Werken vorläsen, sagte Kirsten. Ein fertiges Programm für die Veranstaltungsreihe gebe es deshalb noch nicht.

Keine Nationalsozialismus-Verharmlosung

Vorhaltungen, durch eine Verbindung zwischen der national-sozialistischen Bücherverbrennung und der heutigen politischen Verfolgung von Schriftstellern und Ideen könne der Nationalsozialismus verharmlost werden, wiesen sowohl Reif-Spirek als auch Kirsten zurück. "Die Gefahr einer Gleichsetzung verschiedener repressiver Regimes sehe ich nicht", sagte Reif-Spirek. Während der Veranstaltungen werde ohne Zweifel deutlich werden, dass es Punkte gebe, in denen der NS-Staat mit anderen Diktaturen vergleichbar sei, während er sich in anderen Punkten von ihnen unterscheide. Kirsten sagte, zwar stehe die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus klar im Vordergrund des Konzeptes. "Aber wir wollen auch zeigen, dass man das nicht als einmaliges Naturereignis sehen darf, sondern dass man die Freiheit des Wortes und die Menschenrechte jeden Tag neu verteidigen muss."

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 verbrannte die Deutsche Studentenschaft am 10. Mai 1933 auf dem Opernplatz in Berlin bei der "Aktion wider den undeutschen Geist" jüdische, pazifistische und anderweitig oppositionelle Schriften. In den Folgemonaten gab es ähnliche Aktionen in ganz Deutschland - mindestens zwei davon in Thüringen: in Niedergrunstedt, das heute zu Weimar gehört, und in Jena.