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04.02.2017

Unterhaltsame wie lehrreiche Schätze der Erinnerung gelesen

von Marko Kruppe Ostthüringer Zeitung

Frank Quilitzsch liest in Ranis. Foto: Marko Kruppe

Ranis. Nahezu vierzig Interessierte besuchten die Lesung von Frank Quilitzsch am Donnerstagabend auf der Literaturburg Ranis. Die Teil­nehmerzahl übertraf offensichtlich selbst die Erwartungen der Organisatoren vom Lese-Zeichen, denn es mussten noch Stühle herbeigeschafft werden. Ob das ausschließlich am neuen Buch des in Ulla bei Weimar lebenden Erzählers und Publizisten lag, ist schwer zu sagen.

Tatsache ist jedoch, dass Quilitzsch kein Unbekannter in Ranis ist. Vor einigen Jahren stellte er hier seinen Bestseller "Dinge, die wir vermissen werden" vor, den Thomas Thieme und Iris Berben als Hörbuch einlasen. Darüber hinaus ist der Autor Mitglied des Thüringer Literatur Quintetts, dem auch Landolf Scherzer, Matthias Biskupek, Hans-Jürgen Döring und Martin Straub angehören. Auch durch diese Formation dürfte Quilitzsch dem Raniser Publikum bereits bekannt sein, ist es nicht zuletzt doch dieser Gruppe zu verdanken, dass es die Lesungen auf der Burg seit nunmehr zwanzig Jahren gibt, wie Ralf Schönfelder, Projektmanager auf der Burg, bemerkte.

Nun stellte Frank Quilitzsch sein neues Buch "Auf der Suche nach Wang Wei" vor. Darin geht es maßgeblich um seine Rückkehr nach China, einem Land, in dem er vor gut 25 Jahren Lektor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Nanjing war. 2015 war Quilitzsch wieder dort, "um noch einmal jene Orte und Einrichtungen aufzusuchen, an denen er einst unterrichtet hat", so der Klappentext des Buches. Auf diese Reise nahm der Diplom-Germanist sein Publikum in Ranis mit.

Aus vier Kapiteln des Buches las er und vermochte es vom ersten bis zum letzten Wort, durch seine gewaltigen Sprachwelten den Zuhörern jene Bilder zu vermitteln, die er sich als Schätze der Erinnerung bewahren will. "Ich habe mir kein Souvenir gekauft", sagte Quilitzsch in der Diskussion nach der Lesung. "Ich habe die Dinge bewusst erlebt und Tagebuch geschrieben. So halte ich die Erinnerung wach. Ich habe mir quasi selbst ein Geschenk gemacht."

Quilitzsch las pointiert, ohne dabei um des Witzes Willen zu übertreiben, wenn auch zuweilen etwas monoton, und unterhielt das Publikum über dies mit Anekdoten seiner Reise nach China. Er präsentierte anscheinend prägnante Textauszüge und ließ dennoch einige Fragen offen, wodurch er auf das Buch mehr als nur neugierig machte.

Was nicht offen blieb, war eine am Rande kritisch formulierte Erzählung über den unkritischen Umgang vieler Chinesen mit ihrer Vergangenheit. Mao Tse Tung wird verehrt und doch wolle man das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens lieber vergessen, um nach vorn zu sehen. Quilitzsch selbst stand nur wenige Tage nach den weltbewegenden Geschehnissen von 1989 an genau dieser Stelle, während sich in seinem Heimatland eine Wende anbahnte, die Quilitzsch ebenfalls in China verbrachte.

"Ich bin wegen des Themas gekommen", sagte Julia Dünkel, Kulturamtsleiterin der Stadt Pößneck, die unter den Hörern war. "Nicht Frank Quilitzsch selbst lockte mich hierher, obwohl ich ihn durch meine frühere Arbeit bei der ‚Thüringischen Landeszeitung‘ kenne, sondern tatsächlich das Thema China. Und ich wurde nicht enttäuscht. Herr Quilitzsch schafft es, zu unterhalten und dennoch im Stil der Reportage zu berichten. So konnte ich selbst noch etwas lernen, denn ich wusste zum Beispiel nicht, dass es in China keine Rentenversicherung gibt."