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05.03.2003

Theaterhaus Jena steht vorm Aderlass

von Frank Quilitzsch TLZ

Jena. (tlz) Das Theaterhaus Jena sieht sich vorm Aderlass. Die im Januar verhängte 15-prozentige Haushaltssperre des Landes Thüringen gefährde nicht nur den Spielplan - vor allem das zur Eröffnung der Kulturarena vorgesehene Open-Air-Spektakel "Die Weber" nach Gerhart Hauptmann steht zur Disposition -, sondern könnte im schlimmsten Fall sogar zu einer Entlassung von Ensemblemitgliedern zwingen. Konkret geht es um 105 000 Euro an Projektfördermitteln, deren Verfügbarkeit in Frage steht. Das Land hat die Bewilligung der Zuwendungen für das Theaterhaus und den Jugendtheaterklub in Jena von insgesamt 708 000 Euro mit der 15-Prozent-Sperre gekoppelt.

"Bei den ohnehin niedrigen Gehältern von 1400 Euro Brutto, wie sie unsere Schauspieler bekommen, entspräche das einer Streichung von fünf Schauspieler-Stellen - und dies bei einem achtköpfigen Ensemble", umschreibt Theaterhaus-Geschäftsführer Roman Rösener die prekäre Situation. "Andererseits wären neben dem Sommerspektakel auch die Koproduktionen, insbesondere unser Mitwirken beim Deutschen Produzentenpreis für Choreografie, wo wir der einzige ostdeutsche Vertreter sind, nicht zu realisieren."

Der Sparkelch, der an den großen Stadttheatern gerade noch vorbei schrammt, trifft die freien Gruppen in Thüringen hart und zwingt sie in die Knie. In einem Brief an Kunstministerin Dagmar Schipanski hat die Theaterhaus-Crew auf die fatalen Folgen dieser Form von Sparzwang aufmerksam gemacht und um nochmalige Prüfung des Sachverhalts gebeten. Da die bis Ende Februar zugesagte Antwort des Ministeriums noch immer aussteht, wurde gemeinsam mit dem Jenaer Oberbürgermeister ein weiteres Schreiben auf den Weg gebracht. "Wir hoffen auf eine baldige Aufhebung der Sperre", so Rösener. Langfristig geht es den Jenaern auch um einen veränderten Vertrag bis 2008. "Für eine gute Arbeit muss es auch Planungssicherheit geben."