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26.11.2010

Stadtschreiber will mit Ranisern gemeinsam Texte schreiben

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Wehwalt Koslovsky plant Lesung mit möglichst vielen Ranisern

Ranis (OTZ/M.K.). Ein besonderes Projekt mit den Ranisern plant der amtierende Stadtschreiber Wehwalt Koslovsky. „Ich möchte mit der gesamten Stadt an einem Text schreiben“, sagte der Wahlberliner am Mittwoch beim Stadtschreibergespräch im Gasthaus Zur Schmiede. Frei nach dem Motto „Eine Stadt spricht über sich“ will er Sätze sammeln, die es in einer Art Puzzle zu einem Ganzen zusammen zu fügen gilt. „Das Problem ist nicht der fertige Text, schwieriger wird es, die Raniser von diesem Vorhaben zu überzeugen.“ Beim Gesprächsabend am Mittwoch fiel das Ansinnen jedoch auf offene Ohren.
„Ich möchte etwas Anderes machen als die Amtsinhaber vor mir“, so Koslovsky, der sich gemeinsam mit Bürgermeister Andreas Gliesing zuvor schon einmal Gedanken über die Vorgehensweise gemacht hatte: Kurz vor Weihnachten erhalten alle der rund 800 Haushalte in Ranis Post vom Autoren. Darauf enthalten sind unterschiedliche Fragestellungen, die sich der Stadtschreiber in den nächsten Tagen ausdenken wird. Die Raniser werden gebeten, ihre Antworten bis zum 15. Januar 2011 an das Bürgermeisteramt, die Schmiede oder das Altmarktstübchen zu senden. Zum nächsten Stadtschreibergespräch am 19. Januar wird Wehwalt Koslovsky über die Resonanz der Einsendungen berichten.
„Im Idealfall wären das 800 Sätze. 200 wären aber auch schon eine Menge, bei 50 Einsendungen wäre ich dagegen schon etwas enttäuscht“, verriet der Stadtschreiber, der somit mehr über die Raniser und ihre Heimatverbundenheit heraus bekommen möchte. „Vor allem die Motivation der jungen Menschen, warum sie in Ranis bleiben möchten, interessiert mich“, sagte Koslovsky, der bei der Zudelsdorfer Kirmes und beim Bordfest des Ritterfaschingsvereins mit Einheimischen ins Gespräch gekommen war.
„Das Projekt plane ich nicht, weil ich zu faul bin zum Schreiben“, so der Initiator, der damit den Wunsch nach einer gemeinsamen Lesung mit möglichst vielen Ranisern auf der Burg verbindet und zu seinem Plan verriet: „So wie es in den Antworten steht, wird es auch verwertet. Es gibt dabei keine Zensur. Die Antworten sind zugleich anonymisiert.“ Zeitlich sieht der 38-jährige, der bis April sein Manuskript fertig stellen muss, keine Schwierigkeiten, wenn die Textfragmente bis Januar gesammelt werden.
„Das Ganze soll möglichst Spaß machen, einschließlich der Lesung mit den Akteuren, die dieses Buch verfasst haben“, wünscht sich Bürgermeister Andreas Gliesing.
Doch nicht nur am Raniser Text arbeitet Wehwalt Koslovsky derzeit in der Burgstadt. „Ich beschäftige mich hier auch mit anderen Dingen, die nichts mit der Raniser Textbaustelle zu tun haben. Es gibt da noch eine andere Dimension. Dichter bin ich trotz allem“, sagte der weltweit tätige Wortakrobat, der der so genannten Poetry Slam-Bewegung angehört und als Moderator bei Literaturtagen schon drei derartige Veranstaltungen in Ranis geleitet hatte.
Seine in der Ausschreibung auf Stadtschreiberamt geforderten drei Lesungen in der Region möchte Koslovsky gern mit Schreibworkshops in Schulen, bei Interesse aber auch in Ranis, ableisten.