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22.12.2013

Stadt Ranis finanziell am Ende: Burg-Museum soll schließen

von Peter Cissek Ostthüringer Zeitung

Dr. Thomas Jahr, Stationsleiter des Geodynamischen Observatoriums Moxa, erläutert am 1. April 2007 während der Wiedereröffnung der seismologischen ­Abteilung des Museums auf Burg Ranis - Geräte der Erdbebenforscher. Ende 2014 soll das Burgmuseum schließen. Foto: Peter Cissek

Museum auf der Burg Ranis soll Ende Oktober 2014 schließen, falls niemand anders die Kosten übernimmt. Außerdem soll die Straßen­beleuchtung ab Mitternacht bis morgens vier Uhr komplett abgestellt werden.

Ranis. Der Stadt Ranis geht das Geld aus. Um sich aus eigenen Kräften aus der finanziellen Schieflage zu befreien, setzt die Burgstadt den Rotstift an: Der Stadtrat hat am Donnerstagabend schweren Herzens die Schließung des Museums auf Burg Ranis auf den Weg gebracht sowie die Kultur- und Sportvereinsförderung gekürzt. Außerdem soll die Straßen­beleuchtung ab Mitternacht bis morgens vier Uhr komplett abgestellt werden, wodurch mindestens 4000 der jährlich 18 000 Euro hohen Stromkosten gespart würden.

Die ohnehin schon finanzschwache Burgstadt zählt zu den großen Verlierern der ­diesjährigen Neuregelung des kommunalen Finanzausgleichs im Freistaat Thüringen. "Uns werden im Haushaltsjahr 2014 rund 143 000 Euro fehlen", prognostizierte Bürgermeister Andreas Gliesing (Gewerbe­verein/Christliche Mitte). ­Wegen der Tilgung von Krediten werde sich das Finanzloch bis 2017 auf 198 000 Euro ver­größern.

Die Burgstadt sei von der Rechtsaufsichtsbehörde auf­gefordert worden, ein Haushaltssicherungskonzept zu erstellen und über einen abseh­baren Zeitraum ihre Finanzen zu konsolidieren. Folglich ist die Stadt gezwungen, sämtliche ­freiwillige Leistungen zu streichen. "Das Museum hat einen sehr hohen Identifikationsgrad für die Region. Die Stadt Ranis will das Museum, kann und darf aber nicht mehr." Die Einrichtung koste die Stadt jährlich knapp 50"000 Euro.

Nach dem einstimmigen ­­Beschluss wird Bürgermeister Gliesing noch in diesem Jahr Thomas Fügmann(CDU) habe ihm bereits erklärt, dass er keine Möglichkeit sehe, die Einrichtung in einen Museumsdachverband aufzunehmen und über die Kreisumlage zu finanzieren. Gliesing sei es aber in Gesprächen mit Vertretern des Thüringer Museumsverbandes und der Friedrich-Schiller-Universität Jena gelungen, auf die überregionale Bedeutung des Raniser Museums hinzuweisen. Die Ausstellung mit Fundstücken aus der Ur- und Frühgeschichte habe landes­weite, sogar internationale Bedeutung. Ebenso sei das seis­mologische Kabinett des Museums überregional bedeutend. Bürgermeister Gliesing hofft auf ein Gespräch Mitte Januar in Ranis mit einem Referatsleiter aus dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Sollte es nicht gelingen, das Raniser Museum in eine neue Trägerschaft zu retten, dann sollen die Räume im November und Dezember 2014 geräumt werden. Die Ausstellungsstücke sollen nicht veräußert, sondern als Dauerleihgaben an andere Museen vergeben werden. Die im Jahr 2014 auslaufenden Arbeitsverträge sollen vorerst nicht verlängert werden.

Die Stadt Ranis hat auch kein Geld mehr für die Bibliothek, will diese aber mit Hilfe von Sponsoren auf Sparflamme ­betreiben. Auch soll versucht werden, dass ein Sponsor die städtischen Kosten für die Stadtschreiberstelle ab der neuen Saison übernimmt. Bürgermeister Gliesing bezeichnete die Kürzungen als "bitterste Entscheidungen" in seiner etwa 20-jährigen Amtszeit als Bürgermeister. Auch falle es ihm schwer, die Zuschüsse zur Unterstützung der Vereinsarbeit um 2500 Euro zu kürzen, da die rund 20 Ver­eine das Leben in der Burgstadt prägen. Mit den harten Einschnitten will die Stadt nach 2018 erreichen, dass ihre Aus­gaben nicht mehr die Ein­nahmen übersteigen.