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07.12.2006

Schöner scheitern mit der DDR

von Charlotte Schulz Thüringer Allgemeine

Die Suche nach dem Glück geht böse daneben, aus einer alten Kuh ist kein Reklamerind zu machen: In den Erzählungen von Jens-Fietje Dwars wird tragisch gescheitert. Und doch haben die Geschichten, die der Autor zur Herbstlese im TA-Café vortrug, Humor. Wenn auch einen eher bitteren.

ERFURT. Untergänge sind nicht unbedingt ein Grund zum Heulen. Die Helden von Jens-Fietje Dwars´ Geschichten trauern zwar der DDR nach, aber ihre Versuche, sich Anfang der Neunziger im Neuen zurechtzufinden, haben auch komische Seiten. Damit die Untergangssymbolik auch ja deutlich wird, überzieht Dwars gern ins Absurde; der aufgekratzte Tonfall, in dem er im TA-Café Geschichten aus seinem Band "Die alte Kuh und das Meer" vorlas, passte sehr gut zur augenzwinkernden erzählerischen Übertreibung. Der Vortrag machte Spaß, auch wenn nicht jedes Dwars´sche Bild stimmig ist, auch wenn eine Rahmenhandlung die Kraft der bitteren Erzählung "Stunde der Wahrheit" schmälert.Ankommen in der Bundesrepublik, für den Thüringer Autor heißt das auch: werben für seine Bücher - selbst geschrieben oder herausgegeben -, für die Zeitschrift "Palmbaum", für seine Filme. Einen "Ziegelstein" wie die 800-Seiten-Biografie Johannes R. Bechers, räumt Dwars ein, wird er nie wieder schreiben. "Die alte Kuh und das Meer" kann aber durchaus eine Fortsetzung vertragen.Charlotte SCHULZ