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27.11.2002

Rassismus auch in der DDR

von hck TLZ

Heiligenstadt. (tlz/hck) Eigentlich wolle er mit seinem Buch nur seine persönliche Unsicherheit mitteilen, erklärte Schriftsteller Landolf Scherzer bei der Vorstellung seines neuen Romanes "Die Fremden". Dabei steht das Ausländerproblem im Mittelpunkt. "Es geht um die Unsicherheit beim alltäglichen Umgang mit Rassismus in unserem Leben. Und der ist nicht etwa am Rande der Gesellschaft zu finden, sondern mitten unter uns. Zum Beispiel in Form von Sprache und Gesten", betonte Landolf Scherzer bei der Begrüßung der zahlreichen Zuhörer in der Heiligenstädter Stadtbibliothek.

Der Suhler Schriftsteller zeigt in seinem Roman auf, dass es rassistische Einstellungen bereits in der DDR-Gesellschaft gab. Das haben zahlreiche Gespräche mit Gastarbeitern im damaligen Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Suhl in Südthüringen gezeigt. Die damaligen Aufzeichungen durfte Scherzer vor der Wende nicht veröffentlichen. Der ehemalige Redakteur nimmt in dem vom Aufbau-Verlag puplizierten Roman die Spuren der Gastarbeiter wieder auf und erzählt, wie es ihnen im vereinten Deutschland ergangen ist. Ergänzt wird das Buch durch aktuelle Reportagen zu Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit.

In seiner Moderation betonte der Jenenser Dr. Martin Straub vom Verein "Lese-Zeichen", dass der Roman durchaus auch als politisches Buch zu verstehen sei. Nach der Lesung stand der Schriftsteller noch lange Rede und Antwort zu seinem Werk.