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30.11.2009

Raniser Stadtschreiber will Krimi schreiben

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Raniser Stadtschreiber will Krimi schreiben
Achim Stegmüller erzählt beim Stadtschreibergespräch auch über sein Japanologie-Studium
Ranis (M.K.). Das im Oktober 2008 in Ranis eröffnete Wisentgehege hat es auch den Stadtschreibern angetan. ?Glückwunsch zum Stadtschreibertreffen in Ranis auf der Burg plus Rosenbierzecherei in Huberts Schmiede und einem Abstecher zum Wisentgehege?, schreibt der frühere Amtsinhaber Christopher Kloeble einschließlich Bildveröffentlichung auf seiner Homepage in seinem jüngsten Eintrag vom Montag dieser Woche.
Genau in diese Umgebung zwischen Wisentgehege und Gasthaus Zur Schmiede soll auch die Rahmenhandlung eines Krimis passen, den der amtierende Stadtschreiber Achim Stegmüller schreiben möchte. Der gebürtige Heidelberger, der seit seinem Amtsantritt im September bereits mehrere Wochen in Ranis weilte, stellte sich am Mittwoch im ersten Stadtschreibergespräch interessierten Gästen vor und sprach dort über seine literarischen Pläne.
?Mir schwebt keine blutrünstige Erzählung vor, sondern vielmehr ein poetischer, romantischer Krimi. Dabei könnte das Verschwinden des Wisentbullen Nox eine wichtige Rolle spielen. Wo ist Nox? Was ist mit ihm passiert, könnten einige Fragen sein?, sagte Stegmüller, der sich in diesem Zusammenhang als Fan der US-amerikanischen Krimiserie ?Twin Peaks? zu erkennen gab. ?Eine solche Geschichte, in deren Handlung es weniger um Mord, sondern vielmehr um einprägsame Charaktere geht, stelle ich mir vor.? Der Krimi solle der Rahmen sein, ?in dem viele Geschichten sprudeln?, so Stegmüller. Eine Episode daraus stellte er bereits am Mittwoch vor.
Eine Krimigeschichte aus der Feder eines Stadtschreibers wäre ein Novum in der Burgstadt. Animiert dazu habe ihn auch Thomas Bachmann, der einst ebenfalls diese Absicht hatte, sich aber schließlich doch für eine Sammlung von Gedichten für Kinder entschieden habe.
?Lieber spannende 120 Seiten als langweilige 250? stellte der 32-jährige seiner Veröffentlichung voran, die er, wie in der Ausschreibung gefordert, pünktlich bis zum Mai 2010 abschließen möchte.
Nicht nur seine literarischen Pläne interessierten die Gäste am Mittwoch, sondern ebenso seine bisherige Arbeit als Schriftsteller zwischen Deutschland und Japan. ?Wie kommt man als junger Mensch zum Schreiben, um damit sein Geld zu verdienen?, wollte beispielsweise Bürgermeister Andreas Gliesing wissen.
Sein Wunsch habe ihn 1997 als einen der bisher jüngsten Studien-Anfänger an das Deutsche Literaturinstitut nach Leipzig geführt. In der Folge dieses Aufenthaltes sei als Auftragsarbeit das Buch ?Die schönsten Liebeszenen im Film? entstanden, das 2002 im Verlag Kiepenheuer erschienen ist. Das starke Interesse, ?japanische Literatur im Original kennenzulernen?, habe ihn anschließend in Tübingen, Kyôto und Osaka Japanologie studieren lassen. Während seines Aufenthaltes in Asien habe er bald auch seine Frau Sachiko kennengelernt, die ihn am Mittwoch erneut in Ranis begleitete.
Achim Stegmüller überraschte die Gäste des Stadtschreibergespräches, als er von der schwierig zu lernenden japanischen Sprache berichtete: ?2000 Schriftzeichen sind notwendig, um eine gewöhnliche Zeitung lesen zu können. Etwa 5000 Schriftzeichen braucht man, um ein Buch von Thomas Mann lesen zu können.? In seiner Anfangszeit habe er sich während des Studiums in Tübingen in dreieinhalb Monaten mit 300 Schriftzeichen beschäftigt, verdeutlichte Stegmüller den hohen Anspruch an diese Sprache, die deshalb selbst Einheimische immer wieder neu lernen müssten. Schwierig sei es darüber hinaus in Japan für Autoren, ?denn es gibt keine Förderung durch Lesungen und Stipendien, wie wir sie in Deutschland kennen.? Vielen Schriftstellern bliebe damit nur der Weg, nach Westeuropa oder in die USA zu gehen.
Nach dem Studium arbeitete Achim Stegmüller drei Jahre als Deutschlehrer, veröffentlichte in deutscher Sprache im März 2007 die Erzählung ?Nagaoka? (Textem Verlag in Hamburg). Vor seinem Umzug in diesem Jahr nach Deutschland lebten Achim Stegmüller und seine Frau nahe der Fünf-Millionen-Stadt Kyôto. Seit ein paar Wochen wohnen beide in Duisburg, um dort für die Dauer des kommenden Jahres an einem Künstlerprojekt anlässlich der Europäischen Kulturhauptstadt 2010, der Region des Ruhrgebietes, mitzuarbeiten.
Freuen dürfen sich die Raniser Literaturfreunde übrigens nicht nur auf den kommenden Krimi aus der Feder Stegmüllers. Er und seine Frau Sachiko, eine bildende Künstlerin, gestalten anlässlich der nächsten Autoren- und Literaturtage einen vom Verein Lese-Zeichen e.V. geplanten Japan-Abend. Dann werden die japanische Kultur und Sprache eine neue Facette nach Ranis bringen. Mit der Verpflichtung von Achim Stegmüller sei man auf bestem Wege, ?ein globales Unternehmen? zu werden, unterstrich der Geschäftsführer des Lese-Zeichen e.V., Dr. Martin Straub, bereits anlässlich des Stadtschreibertreffens am vergangenen Freitag den Anspruch der Literaten zwischen Jena und Burg Ranis.