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14.06.2015

Raniser Publikum so neutral wie die Schweiz

von Theresa Schödensack Ostthüringer Zeitung

Foto: Theresa Schödensack

Das Raniser Publikum hat entschieden. Am Freitagabend gegen 21.30 Uhr kürte es im Raniser Winkel einen Schweizer zum Sieger des Poetry Slams der 18. Thüringer Literatur- und Autorentage.

Ranis. Ein Poetry Slam ist ein literarischer Dichterwettstreit, bei dem selbst geschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit vorzutragen sind.

Zum achten Mal fand ein solcher Wett­bewerb in Ranis statt. Das Format erfreut sich von Anfang an großer, ja steigender Beliebtheit. So waren am Freitagabend schon 40 Minuten vor Beginn der Veranstaltung fast alle bereitgestellten Sitzmöglichkeiten besetzt, so dass weitere Bänke aufgestellt wurden. „Also, so viele Gäste wie heute waren es, glaube ich, noch nie“, sagte Ralf Schönfelder, Projektmanager des Lese-Zeichen e. V. auf Burg Ranis, begeistert, der den Poetry Slam mit vorbereitet hatte.

„Es werden sicherlich an die 150 Leute da sein“, schätzte er ein.

Grund des großen Auflaufs waren sicher die sieben jungen und im Herzen jung gebliebenen Slammer, die aus Berlin, Heidelberg und Marburg, aus der thüringischen Provinz und sogar aus der schweizerischen Weltstadt Basel den Weg in die malerische Burgstadt gefunden hatten. Und das Publikum wurde nicht enttäuscht.

In den Vorträgen ging es heiß?her. Vom Single-Dasein über den Hass, die Nostalgie und das erste Date bis hin zu den verschiedenen Persönlichkeiten, die wohl in jedem von uns stecken, reichten die Themen. Humorvoll moderiert wurde das Ganze wie schon im Vorjahr von?einem Meister des Fachs, Felix Römer.

Nach knapp fünfzig Minuten rhythmischer Wortfechterei standen die vier Finalisten fest. Katharina Röben, Nick Pötter, Malte Roßkopf und Laurin Buser konnten die Raniser für sich gewinnen.

Der deutschsprachige U?20-Vizemeister im Poetry Slam von 2011, Philipp Herold,?der dreimalige hessische Poetry-Slam-Meister Marvin Ruppert und der wohl älteste Slammer Deutschlands, Rudi Berger aus Langenwetzendorf im benachbarten Landkreis Greiz, schieden aus.

In der Endrunde fuhren die vier verbliebenen Poeten noch einmal richtig auf und jonglierten mit der Sprache um die Gunst des gespannten Publikums.

Unter tosendem Applaus, mit Klopfen, Pfeifen und Jubel, wurde am Ende der Schweizer Sänger, Dichter und Schau­spieler Laurin Buser zum Sieger gewählt. Dabei war sein Auftritt gar nicht eingeplant, er war lediglich für die bekannte Slammerin Dominique Macri eingesprungen, die wegen Krankheit absagen musste. In diesem Falle war das Raniser Publikum wohl so neutral wie die Schweiz.