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07.03.2002

Neues von Lutz Rathenow

von Udo Scheer Thüringer Allgemeine

Einfach "Die Fünfzig. Gedichte" nennt Lutz Rathenow seinen dritten Band fortlaufender Gegenwartsvergewisserung, der zur Leipziger Buchmesse erscheinen wird. Der Titel signalisiert zugleich den Anlass seiner lyrischen Zwischenbilanz: Es steht der fünfzigste Geburtstag des Autors an.Auch in seinen neuen Gedichten und lyrischen Prosatexten kommen Menschen vor, bei denen man nicht weiß, ob sie unter Spätfolgen der DDR oder Frühschäden der Big-Brother-Mediengesellschaft leiden. Vor allem aber begegnen sich Endzeit- und Aufbruchstimmung. Fünfundzwanzig Arbeiten aus den Endachtzigern in der DDR und fünfundzwanzig aus diesem und dem letzten Jahr korrespondieren unerwartet miteinander und bilden einen irritierenden Spannungsbogen. Zwischen Versteckspiel und Selbstentblößung, Sinnsuche und böser Komik finden sich unerwartet sensible Reflexionen: Am Grab / Der Enkel, sehr klein / und gar nicht richtig traurig, / er harkt die Erde über Opa. / Langsam, nicht zu sanft, / vor allem gleichmäßig, so / hat es Großvater immer gern. / Wenn er seinen Rücken kratzt. / Und manchmal, mit dem kleinen Finger, / kitzelt Enkel seinen Opa. So wie immer.An anderer Stelle kristallisiert sich nachdenklich Spirituelles heraus: Ich glaube, / dass ich nicht gläubig bin. / Aber eigentlich glaube ich / daran immer weniger / und zweifelnder (Emphatie). Der als zeitkritischer Kolumnist, Essayist und Satiriker bekannte Autor überrascht einmal mehr mit genauen Beobachtungen und pointierten Gedanken. Sie lassen sich zunehmend weniger in politische Kategorien einordnen.Auf Burg Ranis liest Rathenow heute um 19.30 Uhr erstmals aus dem neuen Band und aus der satirisch geprägten Sammlung "Sterben will gelernt sein".

Udo Scheer.

Lutz Rathenow: "Die Fünfzig. Gedichte", Landpresse-Verlag, 13 Euro.