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03.11.2008

Nachhilfeunterricht in Sachen Lyrik

von Katja Grieser Ostthüringer Zeitung

Nancy Hünger und Kai Agthe halten Workshop vor Greizer Gymnasiasten

Von Katja Grieser Greiz. Lyrikbegeistert schienen die Elftklässler des Greizer Gymnasiums - bis auf einige Ausnahmen - nicht gerade zu sein. Dennoch verfolgten sie den Workshop, den die jungen Poeten Nancy Hünger und Kai Agthe am Donnerstag in der Greizer Bibliothek hielten, aufmerksam. Gewiss, der Zugang zu Lyrik ist nicht immer leicht. Wenn allerdings zwei Autoren ihre eigenen Gedichte lesen und sogar noch eine Geschichte dazu zu erzählen haben, wird vieles einleuchtender.
Vorsichtig tastet sich Kai Agthe vor, stellt zunächst die Frage, wie die Jugendlichen denn "lyrisch so beschaffen" sind. Brecht und Rilke fallen als Stichworte. Erst gegen Ende des Workshops gibt ein junger Mann zu, dass er Nietzsches Lyrik gut findet. "Vielleicht lachen Sie ja darüber", sagt der Jugendliche. Die beiden Gäste lachen nicht, Agthes Augen leuchten sogar, denn mit seinen Nietzsche-Forschungen hat sich der Wissenschaftler einen Namen gemacht.

Doch nun zu den Zeilen der beiden Lyriker. Kai Agthe beginnt, schickt seiner Lesung ein "Lyrik soll Spaß machen" voran und erzählt, was ihn so zum Schreiben bewegt. Die Natur zum Beispiel. Thüringen sei wunderschön und darum wohl auch schon häufig besungen oder beschrieben worden. "Deshalb lese ich jetzt drei Ostseegedichte", lässt Agthe seinen trockenen Humor aufblitzen. Da schreibt er in einem Gedicht von des Fischers Frau, die hier Schätzchen heißt. "Ich nenne sie nicht einfach so, das Paar heißt wirklich Schätzchen mit Nachnamen", erklärt Kai Agthe, der auch über den Sanddorn schreibt, weil er so eine "bescheidene Pflanze" ist, die sich mit Ostseesand und viel Sonne zufrieden gibt. Und sogar ein Grabstein eines ihm völlig Unbekannten inspiriert Agthe zum Schreiben. Ein junger Mann wurde da beigesetzt, der an seinem 21. Geburtstag schon aus dem Leben scheiden musste.

Bei Nancy Hünger sind es wohl eher die Begegnungen mit Menschen und Orten, die sie lyrisch verarbeitet. In ihrer sanften Art erzählt sie so etwa von einem Aufenthalt in der Ukraine, von riesigen Bauernfrauen, die ihr auf dem Markt Äpfel schenken und ihr vom Honig bis zum Quark alles mögliche auf die Hände schmieren, um sie von ihren Produkten kosten zu lassen.

Ein wenig zögerlich sind die Gymnasiasten zwar, aber schließlich haben sie doch ein paar Fragen. Wie es zur Idee für ein Gedicht kommt, will ein Schüler wissen. "Das ist eine kluge Frage, aber ich weiß keine Antwort", gibt Nancy Hünger zu. Und erzählt in dem Zusammenhang, wie schwer es ihr gefallen ist, in einem Gedicht "Ich" zu sagen, also sich selbst in ihr Gedicht zu bringen. Und dass sie "sehr, sehr lange" an einem Text arbeitet, ihr "bester Freund der Rotstift ist", verrät sie. Kai Agthe spricht über die Schwierigkeiten bei Lyrik. "Man muss eine Form finden und ein sprachliches Bild, das vielleicht noch nicht dagewesen ist." Ob es mit den Jahren einfacher wird, Eindrücke in Worte zu fassen, fragen die Schüler. "Nein, wird es nicht", so Agthe kurz und knapp. Ausdauer brauche ein Lyriker vor allem. "Schreiben ist harte Arbeit", bemerkt Dr. Martin Straub vom Lesezeichen e. V., der die Veranstaltung mitorganisiert hat. Straub macht auf eine weitere Besonderheit von Lyrik aufmerksam. Lyrik ist eine private Botschaft, der Leser mit seinem eigenen Erfahrungshintergrund macht den Text zu seinem