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07.11.2009

Mysteriöser Graf auf Burg Ranis

von Sandra Hoffmann Ostthüringer Zeitung

Gothic Jazz Orchestra präsentiert spannend und intensiv sein Hörspielkonzert "Der Graf"

Von OTZ-Redakteurin Sandra Hoffmann Ranis. Eine Burg im nächtlichen Dunkel, in ihr düster farbiges Licht und ein mysteriöser Graf - das waren die richtigen Zutaten für ein spannungsgeladenes, geheimnisvolles Flair. Perfekt machte dieses eine fesselnd dargebotene Erzählung und deren Inhalt gekonnt kommentierende und dokumentierende Klänge. Diese beeindruckende Vorstellung gelang dem Gothic Jazz Orchestra aus Nürnberg, das am Donnerstagabend knapp 40 Zuhörern auf der Burg Ranis "Der Graf", ein Hörspielkonzert frei nach Bram Stokers "Dracula", präsentierte. Dieses Lesekonzert auf der Literatur- und Kunstburg Ranis veranstaltete der Lese-Zeichen e.V. gemeinsam mit der Thüringer Jazzmeile.

Für das zweistündige Stück "Der Graf" hatte der Gitarrist und Gründer des Jazz-Orchesters, Andreas Wiersich, den 1897 veröffentlichten Vampirroman "Dracula" von Bram Stoker (1847-1912) bearbeitet und, um die Literatur musikalisch aufzuwerten, Kompositionen dazu geschaffen. Dabei arbeitete er mit verschiedenen Richtungen des Jazz, ließ folkloristische, traditionelle und rockige Elemente einfließen, aber auch viel Raum für Improvisationen. Da wippte mancher Fuß in den Reihen des Publikums mit und es gab begeisterten Applaus.

Text und Musik wechselten sich ab, gingen ineinander über oder überlappten sich - stets jedoch wurde der Zuhörer in die geschaffenen Atmosphären gezogen. Vor dem inneren Auge entstanden Bilder, begleiteten die Zuhörer regelrecht den jungen Rechtsanwalt aus London, der nach Transsylvanien reist und dort einen gewissen Grafen "Dracula" in Immobilienangelegenheiten beraten soll. Doch schon bald sieht sich der junge Mann allein in einer fremden und beängstigenden Umgebung. Schließlich angekommen bei seinem sonderbaren Gastgeber, beginnt seine Zeit in dessen Schloss.

Brilliant las und spielte Dr. Jasper Paulus am Lesepult die Textzeilen. Er schlüpfte in die Rollen, akzentuierte deren Stimmen, arbeitete mit Mimik und sein in rotes oder blaues Scheinwerferlicht getauchtes Gesicht wirkte in der Rolle des Grafen durchaus unheimlich. Überhaupt arbeiteten die sieben Herren auf der Bühne - ein Sprecher und sechs Musiker - wirkungsvoll mit Licht- und technischen Effekten. Dazu kam eine Vielzahl an interessanten und von den Musikern auf ihren Instrumenten selbst erzeugten Geräuschen und Klängen. Mit diesen illustrierten sie die Handlung, trugen und verstärkten sie die Stimmung oder steigerten sie die Spannung. Jeder der Mitwirkenden erwies sich als Meister seines Faches, wie Dr. Martin Straub vom Lese-Zeichen e.V. am Ende der Vorstellung zu Recht feststellte.

Ausgezeichnet beherrscht jeder der Musiker vom Gothic Jazz Orchestra sein oder seine Instrumente, spielt sie mit Leidenschaft. Namensgeber des Orchesters sind zum einen die Romangattung der Gothic Novels, die sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von England aus verbreitete, zum anderen die Musikkulturen Gothic Rock und Dark Wave der 1980er und 90er Jahre.