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07.12.2010

Mutiger Schritt zur freien Schriftstellerin

von Ulrich Kaufmann TLZ

Die Schriftstellerin Sigrid Damm feiert am heutigen Dienstag ihren 70. Geburtstag.

 

Berlin. In der Rückschau sagt die in Gotha geborene und in Thüringen verwurzelte Sigrid Damm, das Jahr 1978 sei für sie einschneidender gewesen als das Umbruchsjahr 1989. In den siebziger Jahren fiel sie durch einfühlsame Kritiken zur DDR-Literatur auf, mit Arbeiten zu Volker Braun, Sarah Kirsch, Irmtraud Morgner, Eva Strittmatter und Alfred Wellm. Aber sie fühlte sich als Teil des Apparats, vor allem als Vertreterin einer Generation ohne eigene Biografie. Für die zweifache Mutter war 1978 der Schritt in die Freiberuflichkeit mutig. Ihr "kleines" Debüt war 1979 zunächst eine Sammlung von Briefen der Romantikerin Caroline Schlegel-Schelling, die Sigrid Damm mit einem Essay begleitete. Ihren Durchbruch schaffte sie 1985 im Aufbau-Verlag mit dem Band "Vögel, die verkünden Land", einer Lebensbeschreibung des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz. Der Gescheiterte wurde für sie zu einer "geheimen Lernfigur". Wenig später folgte mit "Cornelia Goethe", ein Buch, in dem sie das Leben der begabten, früh verstorbenen Schwester des großen Dichters erzählte.

Buch über die Frau an Goethes Seite

Über das Ende der DDR hinaus hat es die Autorin geschafft, ihr Werk, das indessen in einer Gesamtauflage von einer Million Exemplaren vorliegt, kontinuierlich zu entfalten. So folgten 1992 ihr DDR-Roman "Ich bin nicht Ottilie" und sechs Jahre später ihr bislang erfolgreichstes Buch "Christiane und Goethe", mit dem sie sich auf dem gesamtdeutschen Buchmarkt durchzusetzen vermochte. Im Vorfeld des Schiller-Jahres legte sie 2004 "Friedrich Schiller - Eine Wanderung" vor. Ein Jahr später erhielt sie den Thüringer Literaturpreis. Nachdem Sigrid Damm viermal Menschen an Goethes Seite porträtiert hatte, rückte nunmehr der Dichterfürst selbst in das Zentrum des Interesses. Ihre beiden Goethe-Bücher sind stofflich in Ilmenau angesiedelt: In "Goethes letzte Reise" und "Geheimnisvoll offenbar. Goethe im Berg" erzählt sie unter anderem von den letztlich gescheiterten Bemühungen des Geheimen Rats um den Silberbergbau in Thüringen. Hinzu gesellen sich die Bände über ihre Schottlandreise und die "Tage- und Nächtebücher aus Lappland" (2002), die sie mit ihren Söhnen Joachim und Tobias Damm schuf.

Sigrid Damm hätte auch eine Würdigung verdient, wäre sie "nur" als Herausgeberin in Erscheinung getreten: Sie legte eine dreibändige Lenz-Ausgabe vor, die große Anerkennung erfuhr, edierte romantische Märchen, eine Auswahl von Liebesgedichten, ihre liebsten Schillergedichte, den Ehebriefwechsel zwischen Christiane und Goethe, und sie entdeckte Christiane Goethes spätes Tagebuch und gab dieses heraus. Der Insel-Verlag Berlin hat seiner Autorin zum runden Geburtstag ein wunderschönes Buch geschenkt. "Auskünfte" heißt der Band (466 S., 14 Euro), der sich seinen Haupttitel "Einmal nur blick ich zurück" bei Joachim Ringelnatz borgte. Hans-Joachim Simm, der Herausgeber, stellte Interviews, Laudationes, Dankesreden und Texte von und über Sigrid Damm zusammen. Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche privat und öffentlich entstandene Fotos. Leider sind die Bildunterschriften erst am Ende des Taschenbuches zu finden. Entstanden ist ein gefällig gestaltetes Lese- und Arbeitsbuch, das Auskünfte über alle seit 1985 entstandenen Bücher gibt. Natürlich wird der Damm-Leser den einen oder anderen Text schon kennen. Wichtiger jedoch ist, dass man die vielen Beiträge, die zum Teil an verborgenen Orten erschienen sind, nunmehr in der Zusammenschau erleben kann. Einige der Essays, so der Geburtstagsgruß für Angela Krauß und das Porträt Peter Deilmanns, sind Erstdrucke. Aus der Bibliografie geht hervor, dass Sigrid Damm, bevor sie Schriftstellerin wurde, auch an zwei der elf Bände umfassenden Literaturgeschichte des Verlages Volk und Wissen mitgewirkt hat.

Die Stadt Gotha ehrt ihre Literatin am 14. Dezember, 17 Uhr, mit einem Festakt im Ekhof-Theater