Presse - Details

 
06.02.2003

Moskauer Eis und der 1. FCM

TLZ

Ranis. (tlz) Am heutigen Donnerstag, 19.30 Uhr, liest die in Magdeburg gebürtige und heute in Berlin lebende Annett Gröschner in Ranis. Dies ist zugleich die 50. Lesung auf der Literaturburg. Die erste Veranstaltung dieser Reihe, die vom GGP Media und dem Lese-Zeichen e.V. gemeinsam mit der Stadt Ranis ausgerichtet wird, fand im November 1997 statt. Mario Keim sprach für uns mit der Autorin.

Sie lesen heute aus Ihrem Roman "Moskauer Eis", der die Geschichte einer DDR-Familie von der Nachkriegszeit bis zur Wende erzählt. Warum spielt die Geschichte gerade in Magdeburg?

Ich wollte eine Kindheit im Osten erzählen. Magdeburg lag nahe, weil ich dort aufgewachsen bin. In einem anderen Ort, wie zum Beispiel Halle, hätte ich neu recherchieren müssen, was ich in diesem Fall nicht wollte. Berlin interessiert mich als Autorin zwar viel mehr. Aber es gibt Widersprüche, die man besser aus der Perspektive einer Provinz schildern kann.

Sie sind auch Autorin des Buches "Sieben Tränen muss ein Klubfan weinen", das die Geschichte des 1. FC Magdeburg erzählt. Wie kamen Sie auf die Idee, ein bedeutendes Kapitel Sportgeschichte aufzuschreiben?

Das war eher ein Zufall. Ich hatte zusammen mit Jörg Schieke, meinem späteren Lektor im Leipziger Gustav-Kiepenheuer-Verlag, ein Feature über den 1. FC Magdeburg gemacht. Anlass war das 25-jährige Jubiläum des Europapokalerfolges im Jahr 1999. Doch der Beitrag ist beim MDR nie erschienen. Wir hatten also das Material, und der Lektor sagte zu mir: Mach doch ein Buch daraus. Ich wollte kein Buch für Fußballfans schreiben. Das haben andere gemacht. Mich interessierte viel mehr: Was hat eine Fußballmannschaft mit einer Stadt zu tun und umgekehrt? Vor allem dann, wenn der Fußballklub drei Ligen herunter fällt.

In einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung haben Sie das Verhältnis zwischen Deutschland und Amerika geschildert und dabei besonders die Rolle der Ostdeutschen dargestellt. Warum betonen Sie Ihre Herkunft?

Als Ostdeutscher ist man sozialisiert, das wird man auch so schnell nicht wieder los. Das kann durchaus seinen Reiz haben, weil dadurch die Gesellschaft etwas bunter wird. Schlimmer ist eine homogene Gesellschaft, wie es sie in der DDR gegeben hat. Deshalb sollte man dem, was Ostdeutsche zu sagen haben, auch zuhören, weil es dabei um bestimmte Erfahrungen geht, die andere nicht haben machen können.