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14.03.2011

Kleinstverlage der Region und die Leipziger Buchmesse

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Uwe Lammla bekommt von Literatur nie genug. Über 200 000 Bücher füllen die Regale des Neustädter Versandbuchhändlers, der auch den recht aktiven Arnshaugk-Verlag betreibt und selbst als Schriftsteller tätig ist. Foto: Peter Cissek

 

An der am Donnerstag beginnenden viertägigen Leipziger Buchmesse 2011 nimmt mit dem Espero-Verlag aus Ziegenrück lediglich einer der zurzeit etwa sechs aktiven Ein-Mann- und Kleinstverlage aus dem Saale-Orla-Kreis teil.

Pößneck. Rechnet man den etwas größeren Nora-Verlag mit Sitz in Berlin hinzu, den Verleger Hans Westerheide von Ranis aus mit führt, wäre die Region mit zwei Verlagen auf dem großen Branchentreff vertreten.

"Wir erwarten viele interessante Gespräche und Kontakte", freut sich Westerheide schon auf das lange Wochenende. "Leipzig ist d i e Lesermesse und das ist gut für uns, in jeder Hinsicht." Am Stand des Nora-Verlages, der sich als Dienstleister für neue und noch unbekannte Autoren versteht, werden die 30 neuen Titel seit der letzten Buchmesse im Vordergrund stehen. "Aus dem Saale-Orla-Kreis haben wir leider keine neuen Autoren", bedauert der Raniser. "Wir sind in Leipzig zweifach vertreten", so Espero-Chef Claus Irmscher, und zwar an den Ständen des Börsenvereins-Arbeitskreises kleinerer unabhängiger Verlage und des Freien Deutschen Autorenverbandes. Irmscher, Verbandsvorsitzender in Thüringen, präsentiert in erster Linie die Neuerscheinung "Abenteuer Erfurt Die Erlebnisse zweier 50-Jähriger zwischen Lebenskampf und Glückssuche nach der friedlichen Revolution", ein 576-Seiten-Buch, das er gemeinsam mit Gisela Rein verfasst hat. Ihr Werk stellen die beiden Ziegenrücker auch in zwei Messelesungen vor. "Unser Ziel ist es, Aufmerksamkeit als Autoren eines Kleinstverlages zu erzielen", so Irmscher. "Nur durch Bekanntheit ist Umsatz möglich." Eine ganz andere Meinung hat Uwe Lammla. "Die Kosten sind beträchtlich, die Umgebung in moderner Messearchitektur ist mir unangenehm und die Erfolgsaussichten sind gleich null", erläutert der Versandbuchhändler und Schriftsteller, weshalb sein Arnshaugk-Verlag aus Neustadt dem Ereignis fernbleibt. "Dazu muss ich feststellen, dass die so genannten Buchmessen gar keine klassischen Buchmessen mehr sind. Diese brachten einst Verlage und Einzelhändler zusammen, es wurde das Programm studiert und bestellt. In dieser Weise ging es in Leipzig bis 1989 zu und in Frankfurt bis Mitte der 90er Jahre. Heute sind diese Messen Publicity-Veranstaltungen der Großverlage und anderer Medien. Das ZDF beansprucht mehr Fläche als irgendein Verlag. Es wird vielerlei Klamauk rund ums Buch veranstaltet. Verkauft wird nichts." "Ein Stand auf der Leipziger Buchmesse würde sich für mich als Verlag für regionalgeschichtliche Literatur nicht lohnen", so Juergen K. Klimpke aus Schleiz. Dennoch sei die Veranstaltung seit Jahren einer der wichtigsten Termine in seinem Kalender. Der Herausgeber ("Schleizer Heimat-Hefte") und Publizist wird nicht nur persönlich, sondern auch mit Büchern in anderen Verlagen in Leipzig präsent sein. "Die Buchmesse ist ein guter Ort, um neue Kontakte zu knüpfen und Projekte zu besprechen", resümiert Klimpke. "Dass wir auf der Leipziger Buchmesse nicht vertreten ist, liegt einzig und allein an den für uns zu hohen Kosten", sagt Jürgen Albert vom Thami-Verlag aus Neunhofen, der auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisiert ist. "Einige Male hatten wir unsere Bücher am Gemeinschaftsstand kleinerer Verlage. Doch die Bücher wurden dort unserer Meinung nach nicht publikumswirksam präsentiert. Da hier pro Titel bestimmte Gebühren anfallen, haben wir uns entschieden, auf diese Präsentation zu verzichten." Vertane Zeit sei die Buchmesse aber auf keinen Fall. "Meinen Verlag gibt es noch", teilt Gerhard Mörke aus Schleiz mit. Ab 1999 sei sein auf polizeihistorische Fachliteratur spezialisierter Verlag mehrere Jahre in Leipzig vertreten gewesen. Doch mangels neuer Werke mache eine Messebeteiligung keinen Sinn. Vielleicht im nächsten Jahr. Denn der frisch pensionierte Polizeihauptkommissar will in diesem Herbst eine neue Auflage seiner bisherigen Arbeiten und in den nächsten Jahren weitere Bände zu seinem großen und recht spannenden Thema "Von der DDR-Volkspolizei zur Thüringer Landespolizei" selbst verlegen.

Aus den Programmen der Verlage

Der Thami-Verlag rechnet in diesem Jahr mit einem neuen Heft der Serie "Samson und Luise" von Verena Zeltner. Im Arnshaugk-Verlag sollen u. a. eine illustrierte Ausgabe neuer Grotesken von Dieter Wolf und eine gebundene Ausgabe mit Versdramen von Uwe Lammla erscheinen. "Weitere Bücher unseres Kleinstverlages sind vorläufig nicht geplant, da wir bis auf Ausnahmen nur eigene Bücher verlegen und die müssen erst geschrie ben werden", lautet die Programm-Vorschau von Claus Irmscher. Der Verlag von Juergen K. Klimpke zu Schleiz bereitet nebst weiteren Heimatheften u. a. eine regionalgeschichtliche DVD vor. Bei Nora stehen keine Bücher mit Bezügen zur Region an. Hans Westerheide kann aber den Krimi "Susanna Wege am Abgrund" von Angelika Rommeiß aus dem Weimarer Land empfehlen. Hier geht es um eine Frau, die für ihren Mann alles tun würde. Auch sterben?