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23.06.2014

Mix aus Wettstreit und Show Beim 7. Raniser Poetry Slam

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Dominique Macri (rechts) und Dalibor Markovic gewinnen den 7. Poetry Slam im Raniser Winkel. Foto: Mario Keim

Beim 7. Raniser Poetry traten erstmals Zweier-Teams gegeneinander an. Das Duo "Lumpenpack" überzeugte passend zum Abend vor 120 Besuchern mit spaßiger Musik.

Ranis. Auch zur siebten Auflage des Raniser Poetry Slams wollten die Gäste nicht auf den Wettstreit der Akteure verzichten. Der gut aufgelegte Moderator Tobias Glufke stellte eingangs zur Abstimmung, ob sich die 120 Besucher einen Wettstreit (Slam) wünschten oder ob es am zweiten Abend der Thüringer Literatur-und Autorentage sofort eine Slam-Show geben sollte. Der Grund: Die beiden Musiker Max Kennel und Indiana Jones alias "Das Lumpenpack", die beide ebenfalls aus der Slammer-Szene kommen, hatten feinste Musik im Programm, mit der sie den Abend untermalten. Ihre Musik glich jener der Sportfreunde Stiller, nur mit eindeutig spaßigeren Texten.

"Es war auf jeden Fall der heutige Höhepunkt des Abends", stellte Burkhard Hellwig, Anwohner im Raniser "Winkel" und treuer Begleiter der Raniser Literaturszene, anerkennend fest.

Den Slam gewannen nach knappem Abstimmungsergebnis Dominique Macri und Dalibor Markovic alias Duo DM vor Felix Römer und Gauner - so dessen Künstlername - als Kaspar Ödön-Quintett sowie Pauline Füg und Tobi Heyel alias Großraumdichten.

Im zweiten Teil des Abends wechselten die Besetzungen, gab es mehrere Soloauftritte. Teils wurden die eigenen Texte, die "geslamt" wurden, erst am Tag der Aufführung geschrieben, merkte Moderator Tobias Glufke an.

Erstmals stellten sich in diesem Jahr Zweier-Teams den Augen der Publikumsjury in Ranis. "Wir sind auf Tournee in Thüringen gewesen, waren in Meiningen, Ilmenau und Ranis. Der Abend hier in Ranis war super. Es hat richtig Spaß gemacht", sagte der Berliner Felix Römer.

Den im Land längst berühmt-berüchtigten Poetry Slam nach Ranis geholt hatte 2008 Anke Scheller. In ihrer Eigenschaft als Projektleiterin der Literatur- und Kunstburg besuchte sie im deutschsprachigen Raum, darunter in der Schweiz, verschiedene Veranstaltungen und holte bereits im zweiten Wirkungsjahr in Ranis die besten Slammer Deutschlands zum Fuße der Burg. Sehr schnell entwickelte sich rund ums Gasthaus Zur Schmiede, dem Mitveranstalter, ein Fankreis, darunter jüngere wie auch ältere Zuhörer. Auch Menschen mit weniger Zugang zur Literatur finden in Ranis zum Poetry Slam, einer weltweiten Bewegung, die 1986 ihren Ursprung in Chicago hatte. Anke Scheller, die seit Jahresbeginn beim Kunstfest in Weimar arbeitet, bleibt dem Verein Lese-Zeichen als engagiertes Mitglied erhalten. Für ihren Einsatz dankte ihr Tobias Glufke am Freitag ganz herzlich.

"Es war dieses Mal etwas anders, aber wie immer wunderbar", sagte Susanne Wündsch, Mitarbeiterin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten in Ranis, und ein ausgewiesener Fan der Veranstaltungsreihe im Raniser Winkel.

Die Slammer haben allesamt einen Hauch zum Schauspielern, doch flache Comedy ist es nicht. Vielmehr boten die Texte Tiefgang, mal heiter und mal wieder ernst.'

"Poetry Slam ist Spiel mit den Worten, aber auch mit Emotionen. Es lebt vom Rhythmus beim Team-Wettbewerb, aber auch vom Zusammenspiel der Akteure und natürlich von deren Persönlichkeit", beschreibt Jördis Kemnitz vom Lese-Zeichen den Reiz dieser Form des Dichterwettstreites.

"Hut ab vor den Akteuren, die so etwas machen. Es ist ein intelligenter Umgang mit Sprache in einer jugendlichen Form", sagte Bürgermeister Andreas Gliesing (Christliche Mitte/Gewerbeverein).