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11.12.2014

Mit durchbrochenen Mauern zum Sieg: Deutscher Lesepreis für Greizer Bücherei

von Katja Grieser Ostthüringer Zeitung

"Ich bin total aufgeregt. Egal, welchen Platz wir haben, ich freue mich riesig über die Auszeichnung", sagte die Bibliotheksleiterin Corina Gutmann gestern vor der Preisverleihung in Berlin. Foto: Katja Grieser

Die Greizer Stadt- und Kreisbibliothek erhielt gestern Abend in Berlin den Deutschen Lesepreis. Vor allem die Kooperation mit dem Gefängnis in Hohenleuben hat die Jury überzeugt.

Greiz/Berlin. Als die Greizer Bibliotheksleiterin Corina Gutmann gestern nach Berlin fuhr, wusste sie zwar schon, dass sie eine Preisträgerin ist. Allerdings erfuhr sie erst am Abend vom Sieg: Die Stadt- und Kreisbibliothek Greiz ist mit dem Deutschen Lesepreis in der Kategorie "Herausragendes kommunales Engagement" ausgezeichnet worden.

Vor allem die Kooperation mit dem Gefängnis Hohenleuben unter dem Titel "Bücher brechen Mauern" hat die Jury überzeugt, heißt es von der Stiftung Lesen. Auf das "Knast-Projekt", wie es Gutmann nennt, ist sie besonders stolz. Da die Büchereileiterin in der Justizvollzugsanstalt mit ihrer Idee auf offene Ohren stieß, konnte sich in den letzten Jahren die außergewöhnliche Zusammenarbeit entwickeln. Seit Beginn des Jahres haben Häftlinge etwa Zugriff auf den Bibliothekskatalog, können so Bücher ausleihen. Regelmäßig werden die dann von Justizvollzugsbeamten abgeholt und zu den Gefangenen gebracht. Von diesem "Leseförderungsangebot" war die Jury begeistert.

"Zum dritten Mal in Folge haben wir in diesem Jahr im Gefängnis auch einen Slam-Poetry-Wettbewerb durchgeführt, also zwei Tage lang Workshop plus Vorführung", berichtet Corina Gutmann, der Kooperationen besonders wichtig sind. Deshalb hat sie sich für den Lesepreis auch genau damit beworben. Die Bibliothek arbeitet aber nicht nur mit dem Gefängnis zusammen, auch wenn das gewiss das ungewöhnlichste Projekt ist.

Mit dem Greizer Gymnasium und der Lessing-Regelschule gibt es ebenso Kooperationsverträge wie mit sieben Grundschulen in Greiz und Elsterberg sowie den Kindergärten der Region. "Und das sind keine Papiertiger", betont die Bibliothekschefin, die zudem auf die gute Zusammenarbeit mit der Pohlitzer Regelschule in Greiz verweist. Und sie plant schon weiter: "Mit dem Kinderheim möchten wir gern mehr machen und auch die Grundschulen aus dem ländlichen Bereich mehr an uns binden", verrät die engagierte Büchereileiterin.

Der von der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung initiierte und von der Fröbel-Gruppe geförderte Preis ist mit 2000 Euro dotiert. Aus insgesamt 274 Bewerbungen wählte die Jury neun Preisträger in vier Kategorien aus.

Auf die Plätze verwiesen hat die Greizer Stadt- und Kreisbibliothek übrigens die Hamburger Büchertürme. Dort werden Grundschüler in einem Wettbewerb angeregt, möglichst viel zu lesen: Die Gruppe, aus deren Lesestoff der höchste Turm entstanden ist, hat gewonnen. Den dritten Preis erhielt die Stadtbibliothek Göttingen. Beim Göttinger Kinder-Vorlese-Sommer wird auf Spielplätzen vorgelesen.