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11.01.2002

Literaturburg lädt zum Jubiläum

von Frank Quilitzsch TLZ

Jena/Ranis. (tlz) Das literarische Jahr 2002 hat in Thüringen früh begonnen. Am dritten Januar fand in Ranis der Leseauftakt mit dem Lyriker Michael Wüstenfeld und dem Violonisten Steffen Gaitzsch von der Dresdner Philharmonie statt. Am 7. Februar wird Wolfgang Rüb aus seinem Buch Konzert für Stubenfliege und Orchester und am 7. März Lutz Rathenow Lyrik und Prosa auf der Burg lesen. Die monatlichen Veranstaltungen steigern die Vorfreude auf ein großes Sommerereignis, das über die gesamte Region ausstrahlen wird. Vom 14. bis 23. Juni feiert die Literaturburg Ranis ein kleines Jubiläum: Zum fünften Mal finden dort die Thüringer Literatur- und Autorentage statt, und dazu werden bekannte Vertreter der schreibenden Zunft wie Christoph Hein, Christoph Dieckmann, Hellmuth Karasek, Feridun Zaimoglu und Barbara Krohn erwartet.

Autorenlesungen an der Peripherie

Doch nicht nur Exklusivität, sondern vor allem Vielfalt bestimmen das Programm der Literaturtage, die gemeinsam mit dem Thüringer Schriftstellerverband, der Literarischen Gesellschaft und den beteiligten Kommunen ausgerichtet und finanziell durch das Kunstministerium unterstützt werden. Wir haben auch in diesem Jahr wieder den Radius von Ranis auf andere Städte erweitert, sagt Martin Straub vom Thüringer Lese-Zeichen e. V. Suhl, Meiningen sowie Limlingerode, die Geburtsstadt von Sarah Kirsch, sind mit eingebunden. 30 Thüringer Autoren werden auf der Burg, in Bibliotheken und Schulen lesen. Und zum ersten Mal haben wir mit Barbara Slawig auch eine Sciene-Fiction-Autorin dabei. Straub nennt die Zahl von 154 Autoren, die in den fünf Jahren in Ranis und Umgebung gelesen haben, ein Ergebnis, das um so mehr wiegt, wenn man bedenkt, dass viele Veranstaltungsorte jenseits der großen Städte in kulturell unterversorgten Regionen liegen.
Traditionell eröffnet eine hochkarätige Jazz-Lyrik-Session das auf zwei Juni-Wochenenden konzentrierte Festival. Diesmal haben die Musiker Joe Sachse (Gitarre), Ernst Bier (Schlagzeug) und Günther Saalmann (Posaune und Poesie) die Lyrikerin Roza Domascyna und den Satiriker Matthias Biskupek im Verbund. Die fünf werden am Abend des 14. Juni Rhythmus und Versmaß für die mehrtägige Jubiläumsfeier vorgeben.
Die Literaturtage sind aber nur eine von vielen Aktivitäten, die den Lese-Zeichen e. V. das Jahr über in Atem halten. Als weitere Höhepunkte führt Straub die von der TLZ präsentierten Thüringer Märchentage, den 8. Lesemarathon in der Jenaer Ernst-Abbe-Bücherei und die Lesereihe Das politische Buch an, die von der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung organisiert werden. In dieser Reihe treten Autoren mit Schulklassen in einen Dialog. So werden beispielsweise am 2. Februar Holm Kirsten im Gymnasium Ohrdruf seine Dokumentation Weimar im Banne des Führers und Arno Lustiger in der Bibliothek Meiningen sein Rotbuch: Stalin und die Juden vorstellen. Ferner sind Veranstaltungen mit Steffen Mensching, Ines Geipel, Anja Tuckermann und Gunter Preuss geplant.

Märchenerzähler fördern Tourismus

Auch jene Autoren, die der Thüringer Schriftstellerverband zu Leipzig liest delegiert, werden über den Lese-Zeichen e. V. vermittelt. In diesem Jahr stellen zur Leipziger Buchmesse Annerose Kirchner, Antje Barbendererde, Frank Willmann und Frank Quilitzsch ihre Neuerscheinungen vor. Außerdem unterstützt der Förderverein die Autorenwanderung im Herbst und die Weihnachtslesungen Thüringer Schriftsteller in Suhl.
Mit den Thüringer Märchentagen verfolgen wir zwei Linien, erläutert Kulturmanager Straub das Erfolgskonzept. Zum einen machen die Erzählnachmittage in Burgen und Schlössern mit touristischen Sehenswürdigkeiten bekannt. Und zum andern schicken wir Märchenerzähler mit Fahrbibliotheken über Land. Durch die Zusammenarbeit mit der Tourismus-GmbH und dem Meininger Kulturreferat gewinnen diese Familienveranstaltungen eine neue Dimension.

Von Frank Quilitzsch