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13.11.2010

Lesung in Ranis bringt Louis Armstrong in Erinnerung

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Für Stephan Schulz war es am Donnerstag schon die 22. Lesung seit Veröffentlichung seines Buches "What a Wonderful World - Als Louis Armstrong durch den Osten tourte" im März dieses Jahres (erschienen im Verlag Neues Leben).

 

Ranis. Dabei sollte die Buchvorstellung auf der Burg etwas Besonderes sein: "Es war die beste Band, die bei einer Lesung gespielt hat. Ich bin ganz begeistert", zollte der Autor den Akteuren Anerkennung. Für die "Old Time Memory Jazzband" war der Abend eine Premiere: "Wir spielen zum ersten Mal bei einer Lesung. Dabei passt das heutige Thema sehr gut zu unserer Musik. Kompositionen von Louis Armstrong aus den späten 20er Jahren mit seinen Studiobands Hot Five und Hot Seven gehören bei uns zum Repertoire", erklärte Gunnar Besen. "Wunderbar", "faszinierend", "super" waren Ausdrücke, welche den 100 Besuchern nach zwei Stunden bester Unterhaltung über die Lippen gingen. Nicht nur für den ausgewiesenen Jazzfan setzte der Veranstalter Lese-Zeichen mit diesem Abend einen Glanzpunkt. Als Schulz schon persönliche Widmungen in Bücher schrieb, spielten die Jazzmusiker aus Jena noch immer Zugabe um Zugabe. Handlung des Buches von Stephan Schulz ist die Gastspielreise von Louis Armstrong im Frühjahr 1965 in die damalige DDR. Der Jazztrompeter und Sänger war der erste US-Künstler, der vier Jahre nach dem Mauerbau hinter den "Eisernen Vorhang" reiste. Ausgangspunkt der Recherche vor gut zwei Jahren sei ein Radiobeitrag gewesen, den der Hörfunkjournalist aus Magdeburg für die Dauer von etwa zwei Minuten produzieren sollte. "Dabei bin ich auf viele Zeitzeugen gestoßen, die mir mit besonderer Herzlichkeit begegnet sind", erinnerte sich der 38-Jährige. Daraus sei in einer "Freizeitbeschäftigung" das nun vorliegende Buch entstanden. "Ich bin erstaunt, wie viele Fotos von den damaligen Konzerten es noch gibt. Die Fakten sind in einer Art Dominoprinzip zum Vorschein gekommen. Die Arbeit an dem Buch hat mir viel Spaß bereitet." Stephan Schulz las vorgestern nur wenige Episoden aus seinem Buch, vielmehr trug er frei Anekdoten daraus vor und nutzte Filmdokumente und eine Bilderschau, die er an die Wand projizierte. So waren die Ankunft des Weltstars auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld im Rahmen der DEFA-Wochenschau und Ausschnitte aus der Pressekonferenz mit dem Künstler zu sehen. Dabei wurde deutlich, dass sich der eher unpolitische Armstrong schlecht instrumentalisieren ließ. "Louis Armstrong passte ganz gut ins Konzept, weil man ihn als Kämpfer gegen Rassismus verkaufen konnte. Er war der geknechtete Schwarze aus Amerika und es gab ja zumindest das ND, das gesagt hat, er ist der Vertreter des guten Amerikas", schrieb Schulz in seinem Buch. Anhand vieler Dokumente konnte die weltweite Begeisterung um die 17 Konzerte in der DDR, darunter zwei Auftritte in Erfurt, nachgezeichnet werden. Nicht eindeutig geklärt werden konnte bis heute die Frage, wie der Musiker entlohnt worden ist. "Ich könnte mir vorstellen, dass es Antiquitäten waren", meint Schulz. Mehrere Quellen ließen das vermuten.