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18.09.2013

Lesereihe fand im Pfarrgarten Krölpa krönenden Abschluss

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Foto: Mario Keim

Krölpa. Buchhändlerin Gabriele Könitzer hatte eine Stunde zuvor schon vorsorglich ihren kompletten Vorrat in der Kirche aufgebaut, doch die Gäste der Lesung im Pfarrgarten in Krölpa hatten sich anders entschieden. Sie nahmen im Freien Platz und wollten den Abschluss der Reihe "Sind im Garten - Literatur im Grünen" unbedingt in der Natur erleben. Recht gab ihnen nicht nur ihr eigener unbändiger Optimismus. Schließlich lag hinter allen Besuchern ein Wochenende mit sehr viel Nieselregen.

"Wir haben grünes Licht vom MDR, der direkt vor der Haustür sendet. Danach regnet es bei uns zwischen 16 bis 18 Uhr nicht", begrüßte Anke Scheller, Projektleiterin der Literatur- und Kunstburg Ranis, am Sonntag die Gäste im Grünen. Tatsächlich zeichnete das Thüringenjournal in Krölpa zeitgleich seine tägliche Wettervorhersage auf. Der Gartenbuchexperte des Senders, Jens Haentzschel, moderierte die Vorstellung des Buches "Hippe, Krail und Rasenpatsche - Zur Geschichte der Gartengeräte" aus der Feder von Clemens Alexander Wimmer, der ebenfalls anwesend war.

Die Wahl des Krölpaer Pfarrgartens und das vorgestellte Buch krönten gewissermaßen die Reihe "Sind im Garten - Literatur im Garten" mit einer Lesung, die eigentlich gar keine war. Dafür hatten Pastorin Ute Thalmann als Gastgeberin und die Vortragenden Geräte organisiert, die schmückendes Beiwerk waren und deren Bedeutung vor den 70 Besuchern zu erklären war.

Dass darunter nur wenige sehr alte Geräte waren, belegten die Darlegungen des national bekannten Gartenhistorikers und Gartendenkmalpflegers Clemens Alexander Wimmer. So verfügten auch die Gartenbaumuseen in Deutschland über Geräte, die nicht viel älter als 200 Jahre sind. "Vor 1800 wird es schwierig", sagte Wimmer, der immer wieder über die Entwicklung von Gartengeräten in Frankreich sprach und so manchen Besucher dadurch verblüffte, weil er keine Geräte aus England als Markenstein erwähnte. Dass ein Croissant nicht unbedingt ein Gebäckstück sein muss, sondern auch ein aus Frankreich stammendes Gerät zum Kantenstechen im Garten, überraschte die Besucher schon.

Das abwechslungsreiche Gespräch mit Clemens Alexander Wimmer lebte dadurch auf, dass Moderator Jens Haentzschel in der Jury des Deutschen Gartenbuchpreises sitzt. Das ihm bekannte Buch erhielt nicht nur 2012 einen zweiten Preis als Auszeichnung, der Journalist aus Weimar hatte den Gartenhistoriker für einen TV-Beitrag bereits persönlich in Potsdam besucht. Somit war Jens Haentzschel als Moderator die beste Besetzung für diesen Nachmittag. Beide bescherten den Besuchern damit eine unterhaltsame Stunde in passendem Ambiente.

Es klang überzeugend, als sich Jens Haentzschel für eine Fortsetzung der Reihe des Lese-Zeichen aussprach: "Die Reihe ist äußerst gelungen und ich hoffe sehr, dass es weitergeht." Hinter den Organisatoren liegen seit Mai zwölf erfolgreiche Lesungen. Die Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Saale-Orla-Kreis (neun Lesungen) fanden vor durchschnittlich 50 bis 60 Gästen statt. Anke Scheller dankte insbesondere Sabine Berner von der Unteren Denkmalschutzbehörde, die für die Lesungen interessante Orte ausgewählt hat. Finanziell unterstützten die Sparkassenstiftung Saale-Orla, die Kreissparkasse Saale-Orla und das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur die Lese­reihe "Sind im Garten - Literatur im Grünen."

"Mit seinem Buch wollte der Theoretiker Clemens Alexander Wimmer den Gartenpraktiker zum Zuge kommen lassen", so Haentzschel. Dieser Premiere folgte in Krölpa ein weiteres Novum. Denn in Form einer öffentlichen Buchlesung trat er laut Verlagsangaben mit dem aktuellen Buch noch nicht vor Interessenten auf. Ein "Dankeschön an den Himmel" sprach auch Pastorin Ute Thalmann dafür aus, dass der Pfarrgarten die Kulisse für die Lesung sein durfte.