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18.12.2003

Leseförderung als Herzensangelegenheit

von Frank Quilitzsch TLZ

Erfurt. (tlz) Der Förderverein des Verbandes Deutscher Schriftsteller in Thüringen, der in Jena ansässige Lese-Zeichen e. V., wurde gestern mit dem Thüringer Kulturpreis 2003 geehrt. Das Land würdigt damit das beispiellose Engagement des Vereins bei der Lese- und Autorenförderung in der gesamten Region sowie seine Initiativen für junge Künstler. Thüringens Kunstministerin Dagmar Schipanski sagte bei der Übergabe der mit 12 800 Euro dotierten Auszeichnung im neuen Erfurter Theater, Sprachbeherrschung und Lesekompetenz seien in der heutigen Gesellschaft Schlüsselqualifikationen, und für den Lese-Zeichen e. V. sei das Wecken von Leselust "eine Herzensangelegenheit".

"Klein, aber äußerst wirkungsvoll", so charakterisierte der Direktor des MDR-Landesfunkhauses Thüringen, Werner Dieste, in seiner Laudatio den 35 Mitglieder zählenden Förderverein, dessen Initiativen, Projekte und integrierendes Wirken in den letzten Jahren die Kulturlandschaft Thüringens geprägt haben. Allein in diesem Jahr wurden durch ihn mehr als 170 Veranstaltungen, von den Literatur- bis zu den Märchentagen, organisiert. Stellvertretend nahmen der Lese-Zeichen-Geschäftsführer, der Literaturwissenschaftler Martin Straub, und der Vereinsvorsitzende, der Raniser Verleger Hans Westerheide, den Preis entgegen.

Was ihm die Auszeichnung bedeute? "Eine wichtige Bestätigung einer mehr als zehnjährigen Arbeit, die mir ans Herz gewachsen ist", sagte Martin Straub und verwies auf seine treuen Mitstreiter: "Es sind so viele Partner, die sich heute alle ein Stück von dem Preis abholen müssten - die Literarische Gesellschaft, die Ernst-Abbe-Bücherei Jena, die Kulturämter in Meiningen, Weimar und Suhl, die Bibliothek in Greiz, der Bödecker-Kreis, die Klassik-Stiftung, die Landeszentrale für politische Bildung, um nur einige zu nennen ..." Wenn es in Zeiten knapper Kassen einen Garanten für erfolgreiche Leseförderung gibt, dann liegt dieser in der Vernetzung von Vereinen, Ministerien, Schulen und Bibliotheken.

Doch bleiben wir beim preisgekrönten Lese-Zeichen e. V., der ohne sein Stammquartett nicht halb so gut funktionieren könnte. Im Verbund mit der Doppelspitze Straub und Westerheide sorgen zwei Frauen dafür, dass im Vereinsalltag nichts auf der Strecke bleibt. Angelika Güther hält die Gästewohnungen auf der Literaturburg Ranis in Schuss, unterstützt die Pressearbeit und hilft bei der Autorenbetreuung auf eine Weise, dass heimische wie ausländische Schriftsteller inzwischen gut - besser - Güther steigern. Der Jenaer Superlativ heißt Uta Utzelmann, Bürofachkraft und Vereinsbuchhalterin, jederzeit ansprechbar, immer freundlich.

Die Auszeichnung sei Verpflichtung, in der Leseförderung nicht nachzulassen, sagte Hans Westerheide und hob hervor, dass nach dem beunruhigenden Abschneiden in der Pisa-Studie die Ministerien jetzt die Zeichen der Zeit erkannt hätten. Insbesondere die landesweite Initiative "Lust auf Lesen" des Thüringer Kultusministeriums hat an den Schulen einiges in Bewegung gebracht.

Mit dem Preisgeld sollen anteilig neue Projekte finanziert werden. "Wir werden mit dem Geld so umgehen, dass es sich in Zusammenarbeit mit unseren Partnern verdoppelt", versprach Martin Straub. Das Land brauche fantasiebegabte, kritische Köpfe. "Sparen an dieser Stelle wäre ein Verhängnis, das uns die Zukunft verbauen würde."