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18.12.2006

Lese-Fest klingt vorzeitig aus

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Enttäuschend wenig Besucher - Gymnasium Pößneck Sieger bei "Wer liest, gewinnt!"

Von OTZ-Redakteur Marius Koity Pößneck. Das zweite Lese-Medien-Fest in Pößneck hat am Samstagnachmittag vorzeitig seine Pforten geschlossen. Einige Aussteller waren 14 Uhr schon weg. Fast alle Workshops fielen aus. Der Grund: Die Besucher waren bei weitem nicht in der erwarteten Zahl gekommen. Gegen 15 Uhr, eine Stunde vor Ultimo, als die Preise des Schülerwettbewerbes "Wer liest, gewinnt!" verliehen wurden, waren bis auf einige Ausnahmen nur noch die Eltern und einige Pädagogen der teilnehmenden Kinder sowie die Veranstalter und die wackersten Aussteller in der Shedhalle.

Träger des Lese-Medien-Festes sind das Schulamt Stadtroda und der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Saale-Orla. Der Schulamtsleiter Thomas Fügmann und der Arbeitskreisvorsitzende Helmut Schmidt versuchten erst gar nicht, die Misere schön zu reden, stellten jedoch klar, dass es im nächsten Jahr erst recht wieder eine solche Veranstaltung geben wird. Noch in der Shedhalle überlegten sie, wie das nächste Lese-Medien-Fest die Zielgruppen - Kinder und Jugendliche, Eltern, Erzieher und Lehrer - besser erreichen kann. Denn das Anliegen, die Lesefähigkeit und die Lesemotivation zu fördern, bleibe aktuell: "Die Lesekompetenz ist eine Schlüsselkompetenz", stellte Fügmann fest.

"Jeder Kindergarten und jede Schule der Region waren schriftlich informiert", ärgerte sich Fügmann auf der Suche nach den Ursachen für den Besucher-Flop. "Wir müssen überlegen, ob der Dritte Advent ein glücklicher Termin ist." Das Fest wollte von der "Vernetzung", wie es hieß, mit dem Pößnecker Weihnachtsmarkt profitieren, das Gegenteil trat ein: Die in der Shedhalle erwarteten Kinder und Eltern blieben an der Rodelbahn hängen. "Nochmal darf uns so etwas nicht passieren", war sich Fügmann in puncto Besucherresonanz im Klaren, "sonst kommen die Verlage nicht mehr".

Bei den Schulbuchverlagen schien die Enttäuschung am größten zu sein. "Da können Sie sehen, welchen Stellenwert die Bildung bei Eltern und Lehrern hat", schimpfte ein Außendienstler, während er mit einer Hand in die Leere der Halle zeigte und mit der anderen Material zusammenknallte. Seinen Namen wollte er dann nicht mehr nennen.

Sehr geärgert hat sich Katrin Zwolinski vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien in Bad Berka, die das Lese-Medien-Fest über Monate vorbereitet hatte. "Ich bin enttäuscht über die geringe Anzahl der Lehrer", sagte sie. "Es waren ja kostenlose Fortbildungs- und Informationsangebote", verdeutlichte sie. Frau Zwolinski hatte auch die Klassenkameraden derjenigen Schüler vermisst, die anderthalb Stunden beim Schülerwettbewerb "Wer liest, gewinnt!" kämpften.

Regionale Aussteller, die auch bei der ersten Auflage des Lese-Medien-Festes dabei waren, bestätigten durchweg, dass es im vergangenen Jahr "besser" gewesen sei. Die diesjährigeMesse sei aber trotzdem nicht umsonst gewesen. Sie habe durchaus Kontakte geknüpft und etwas verkauft, sagte die Schriftstellerin Verena Zeltner am Stand des Thami-Verlages Neunhofen und des Lese-Zeichen e. V. Jena. "Kinder waren schon da", äußerte Wilfried Schilling von der Grundschule Bad Lobenstein, der mit seiner Kollegin Cornelia Fickert u. a. Deutsch-Software für die Grundschule vorführte. Am Stand des Freizeitzentrums Pößneck arbeiteten Kinder bis zuletzt u. a. an Holzeinbänden für ganz persönliche Bücher und so war die Leiterin Andrea Sykora "eigentlich zufrieden".

Eindeutige Gewinner des Festes waren die Fünft- und Sechstklässler, die bei "Wer liest, gewinnt!" auf der Bühne standen. Nicht nur, weil sie für das Quiz empfehlenswerte Kinderbücher gelesen hatten, auch deshalb, weil sie für ihre Mühe mit den erwarteten Bücherschecks und einem zusätzlichen überraschenden Preis belohnt wurden. Der 1. Platz ging an das Team des Gymnasiums Am Weißen Turm Pößneck, das Anne-Kathrin Pelke, Amalia Voigt und Tony Woggon sowie Lisa Lufer und Jessica Lehmgrübner bildeten, der 2. Platz an die Regelschule Oswin Weiser Pößneck (Josephine Laßleben, Rebecca Henniger, Anne-Kathrin Zink), der 3. Platz an die Regelschule Ranis (Laura Reuter, Desiree Meinhardt, Laura Meisen). Die Preise stifteten vor allem Das Telefonbuch und die Kreissparkasse Saale-Orla.

Helmut Schmidt, der auch als Vorstandsvorsitzender des Sponsors Sparkasse in der Shedhalle war und in der Jury des Schülerwettbewerbes wirkte, fand am Ende doch noch ein versöhnliches Resümee: "Wenn es uns heute gelungen ist, zehn Kinder an das Lesen heranzuführen, dann hat es sich gelohnt."