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03.06.2017

Kurze Geschichten über die Wendepunkte des Lebens: Kathrin Groß-Striffler stellt neuen Erzählband vor

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Die Jenaer Autorin Kathrin Groß-Striffler auf der heimischen Gartenbank. Foto: Ulrike Merkel

Jena. Ein Junge, der adoptiert worden ist; eine alte Dame, die zum letzten Mal schwimmen geht; eine Tochter, die sich ihrer Mutter gegenüber nicht durchsetzen kann, oder ein Junge, der mit 10 noch einnässt und ins Schullandheim fahren soll – von Menschen an Wendepunkten ihres Lebens erzählt die Jenaer Schriftstellerin Kathrin-Groß-Striffler in ihrem neuen Erzählband "Eine Tasse Tee" (Mitteldeutscher Verlag, 184 Seiten, 12,95 Euro).

Die 62-jährige Autorin stellt ihre 18 kurzen Geschichten am kommenden Donnerstag in der Jenaer Universitätsbuchhandlung Thalia erstmals vor. Am Sonntag darauf ist sie mit ihrem Band zu Gast bei den Thüringer Literatur- und Autorentagen in Ranis.

Mit "Eine Tasse Tee" kehrt die Autorin zu ihren Anfängen zurück. Mit Kurzgeschichten unter dem Titel "Unterholz" debütierte sie im Jahr 2000 und wurde sogleich mit dem Literaturpreis der Universitätsstadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgezeichnet. Der darauffolgende Roman "Die Hütte" erhält den renommierten Alfred-Döblin-Preis.

Dabei fällt die Entscheidung für die Schriftstellerei relativ spät. Zunächst studiert die gebürtige Würzburgerin Anglistik und Romanistik in Deutschland, Frankreich und den USA. Anschließend lebt und jobbt sie im Ausland, unter anderem als Managerin auf einer US-amerikanischen Pferdefarm. Nach der Rückkehr entscheidet sie sich für den Beruf als Lehrerin. Es folgen Referendariat, Schuldienst, bald darauf vier Kinder und erste literarische Arbeiten.

Eine Autorin mit großem Schreibdrang

Als das letzte Kind in den Kindergarten geht, steht die Frage: Was nun? Soll sie wieder als Lehrerin arbeiten oder doch schreiben? Letztlich habe das Ausschlussverfahren zur Schriftstellerei tendiert, erzählt Kathrin Groß-Striffler.

Als Autorin besitzt sie einen regelrechten Schreibdrang. Wenn sie ein Buch veröffentlicht, liegt in der Regel das folgende bereits fertig in der Schublade. Außerdem schreibt Kathrin Groß-Striffler manche ihrer Romane insgesamt dreimal.

Auf einer "Welle des Wohlwollens" entsteht die erste Fassung, um später als unzureichend verworfen zu werden. Was bleibt, sind die Figuren. Ganz ähnlich ergeht es Fassung zwei. Erst wenn sie den Roman ein drittes Mal zu Papier gebracht hat, nimmt er die Hürde der inneren Selbstzensur.

Ganz anders ihre Erzählungen: Sie sind aus einem Guss. Eine Vorliebe hat Groß-Striffler dabei für verblüffende oder offene Enden. "Ich schreibe keine Wohlfühlliteratur", sagt sie. "Ich möchte es dem Leser nicht zu leicht machen." Er soll sich mit ihrer Literatur auseinandersetzen, muss hier und da zwischen den Zeilen lesen.

Die Entscheidung, Jena zum Lebensmittelpunkt zu wählen, fällte die Autorin nach ganz ähnlichem Prinzip wie den Entschluss fürs Schreiben. Nach neun Jahren Landleben im oberfränkischen Isling, inklusive Pferd, Hund und Vögeln, soll es eine junge Universitätsstadt sein, da sind sich ihr Mann, ein Mediziner, und sie einig. Letztlich setzt sich die thüringische Saalestadt gegenüber Tübingen durch. "Wir lieben Jena", sagt Katrin Groß-Striffler. "Wir gehen hier nie wieder weg."

Vor anderthalb Jahren hat das Paar zudem sein Traumhaus gefunden. Die idyllische Lage in Jena-prießnitz, der riesige Garten, die Ruhe und die netten Nachbarn – all das mag die Schriftstellerin nicht mehr missen.

Termin

Am 8. Juni, 20.15 Uhr präsentiert Kathrin Groß-Striffler ihren Band "Eine Tasse Tee" in der Unibuchhandlung Thalia Jena. Musikalisch unterstützt wird sie von ihrer Nichte, der Jazz-Geigerin Fabiana Striffler.

Die Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis

  • Donnerstag, 8. Juni
  • 18.30 Uhr: Vernissage der Trickfilmerin Ana Maria Vallejo und der Holzkünstlerin Jenny Eichler
  • 19.30 Uhr:95 Anschläge – Thesen für die Zukunft. Mit Thea Dorn und Harald Lesch. Moderation: Hauke Hückstädt
  • Freitag, 9. Juni
  • 19.30 Uhr: 10. Raniser Poetry Slam. Die Veranstaltung findet traditionell im Gasthaus "Zur Schmiede" statt.
  • Samstag, 10. Juni
  • 10 Uhr: Autorengespräch mit Ulf Stolterfoht
  • 11 Uhr:Literarischer Brunch mit Matthias Biskupek, Landolf Scherzer, Frank Quilitzsch, Martin Straub
  • 14 Uhr:MDR Kultur Café mit Feridun Zaimoglu
  • 16 Uhr:Verblendet. Die unheilvolle Macht der Worte. Mit Beiträgen von Martin Straub, Andreas Berner und Ralf Schönfelder. Gelesen von Christine Hansmann
  • 18 Uhr:Lyrik im Konzert mit Ulf Stolterfoht, Kinga Tóth und Robert Sorg. Mit Musik von Demian Kappenstein
  • 20 Uhr: Denis Scheck: "Vom Guten, Wahren, Schönen – und vom Albernen, Überflüssigen und Banalen"
  • Sonntag, 11. Juni
  • 12 Uhr: Papiertheater: "Joseph und seine Brüder"
  • 14 Uhr:Bruno Preisendörfer liest "Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit"
  • 15 Uhr: Kinderprogramm mit Hansi von Märchenborn
  • 16 Uhr:Papiertheater: "Das Hokusai-Museum"
  • 16 Uhr: Ausguck Thüringen: Mit Kathrin Groß-Striffler, Marius Koity und M. Kruppe
  • 18 Uhr:"Don‘t kill it, Carroll!" Ein Live-Hörspiel, inspiriert von "Alices Abenteuer im Wunderland". Von Söhnke Sofar und Nils Lauterbach, Sprecherin: Lysann Schläfke.
  • 20 Uhr: Andrea Sawatzki liest "Ihr seid natürlich eingeladen"
  • Samstag und Sonntag:
  • Ausstellung Papiertheatermuseums aus Schmiedebach