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29.09.2015

Junge Europäer aus Rumänien erkunden Kultur und Geschichte nicht nur in Rudolstadt

von Sabine Bujack-Biedermann Ostthüringer Zeitung

Die Gäste aus Rumänien mit ihren ersten Druckgrafiken im Atelier. Foto: Sabine Bujack-Biedermann

Am Donnerstag hat das Gymnasium Fridericianum ein Dutzend Schüler mehr. Neun Mädchen und drei Jungen aus dem westrumänischen Timisoara, die eine Woche lang bei Rudolstädter Gastfamilien wohnen, lernen diese Schule kennen.

Rudolstadt. Die zwölf jungen Rumänen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren gehören zur ersten Gruppe eines langfristigen Jugendaustauschprojektes, das der Lese-Zeichen e.V. Jena angestoßen hat, um nicht nur vom gemeinsamen kulturellen Erbe Europas zu reden, sondern diese verbindenden Wurzeln in ihrer sprachlichen und künstlerischen Vielfalt konkret zu erfahren. Deshalb liegt der Schwerpunkt des Programms seit Samstag auf eigener Kreativität.

Verständigungsprobleme waren von vornherein vom Tisch, denn die Gäste haben zwei Muttersprachen: Rumänisch und Deutsch. Viele von ihnen gingen bereits in deutschsprachige Kindergärten, auch wenn die Unterhaltung zu Hause auf Rumänisch lief. Unterrichtssprache am Nikolaus-Lenau-Lyzeum in Timisoara ist Deutsch.

Neu war für die rumänischen Schüler dagegen das Handwerk der Druckgrafik, das sie in einem zweitägigen Workshop im Atelier der Kunstwerkstatt (KW) „Alte Wache“ erprobten. Nach einer Exkursion zum Schillerhaus und Schillermuseum in Weimar und vielen Anregungen in „Schillers heimlichen Geliebten“ Rudolstadt lag bei vielen eine eigenschöpferische Verbindung zum rotgelockten Dichter nahe, zumal morgen zum Abschluss ein Workshop im kreativen Schreiben mit Daniela Danz im hiesigen Schillerhaus folgt.

„Die rumänischen Schüler gestalten sich mit den Ergebnissen dieser Woche eine Mappe, die sie an Orte erinnert, die ihnen in dieser Zeit hier wichtig waren“, erläutert KW-Chefin Johanna Fischer. Inspirationen dazu erhielten die Gäste aus Timisoara, der Stadt, in der der Sturz des Ceausescu-Regimes 1989 losbrach, nicht nur an Schillerstätten. Sie besuchten auch den Thüringer Landtag und die Gedenkstätte der friedlichen Revolution in Erfurt.

Für Lehrerin Casandra Panus, die die Jugendgruppe begleitet, war dagegen der Blick aus der „Alten Wache“ auf Rudolstadt ein Erinnerungsort. Die kleine Residenzstadt sei zwar ziemlich ruhig, „aber die Leute hier sind sehr nett“, sagte sie.