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04.08.2012

Jena plant "Bildwelten der Christa Wolf"

von Frank Quilitzsch TLZ

Christa Wolf (1929-2011): Ihr ist die zweite Jenaer Wort- und Bildwelten-Schau gewidmet. Foto: dapd

 

Jena will im September der vor einem Jahr verstorbenen Schriftstellerin Christa Wolf mit einer Kunstschau gedenken: Acht Maler und Grafiker zeigen Werke, die mit der Wortwelt der Wolf korrespondieren.


Jena. Kassandra, Medea, Jason oder Kreon - die Schriftstellerin Christa Wolf hat sie und andere Gestalten der griechischen Mythologie schöpferisch umgedeutet und kritisch hinterfragt. Ihre Bücher wiederum inspirierten namhafte Maler und Grafiker zu Illustrationen oder eigenständigen Arbeiten, die mit den Wortwelten der Wolf korrespondieren. So haben zum Beispiel Nuria Quevedo, Angela Hampel und Helge Leiberg ihrerseits kraftvolle Versionen von Kassandra und Medea geschaffen. Auch andere, von Christa Wolf in der unmittelbaren Gegenwart angesiedelte Werke faszinierten bildende Künstler so sehr, dass sie sich damit auseinandersetzten.    


Unter dem Motto "Wortwelten - Bildwelten. Werke der Malerfreunde von Christa und Gerhard Wolf" werden ab September der Lese-Zeichen e. V. und die Stadt Jena der vor einem Jahr verstorbenen Schriftstellerin mit einer Kunstausstellung gedenken. Damit knüpfen sie an das erfolgreiche Projekt über die "Bildwelten des Wolfgang Hilbig" an, das im vergangenen Jahr in der Jenaer Villa Rosenthal einen lebhaften Dialog zwischen Vertretern der schreibenden, malenden und filmenden Zunft und interessierten Besuchern angestoßen hat.    


Gezeigt werden ab 5. September Arbeiten von acht bildenden Künstlern, die mit den Jahren zu Freunden von Christa Wolf und ihrem Mann, dem Verleger Gerhard Wolf, geworden sind. Die Veranstalter wollen mit der Schau und einem umfangreichen Begleitprogramm "neue Wege und Zugänge zum Werk von Christa Wolf ebnen".    

Der 83-jährige Gerhard Wolf kommt zur Vernissage nach Jena, um die Künstler vorzustellen und aus eigenem Erleben zu erzählen, was sie mit Christa Wolf verbindet. Dabei werden gewiss auch biografische Geschichten, die hinter den Bildern stecken, ans Licht kommen.

Christa und Gerhard Wolf haben sich seit den 1960er Jahren mit wachsender Intensität mit Arbeiten zeitgenössischer Maler in Ost und West auseinandergesetzt, wovon zahlreiche Essays zeugen.    


Gerhard Wolf stellt Exponate aus seiner Privatsammlung zur Verfügung, darunter Arbeiten von Hartwig Hamer, der die Mecklenburger Landschaft für die "Sommerstück"-Buchausgabe in Zeichnungen und Aquarellen festgehalten hat, oder Günther Uecker, der die Gefährdung der Zivilisation in Gleichnisse fasste, so wie es die Dichterin in ihrer berühmten Tschernobyl-Erzählung "Störfall" tat. Ferner gibt es Künstler wie Carlfriedrich Claus und Gerda Lepke, die der Welthaltung der Wolfs nahestehen, oder Martin Hoffmann, dessen Collagen menschlicher Köpfe, aus zahllosen Schichten durchscheinenden Papiers gefertigt, Erfahrungen der Gegenwart und Geschichte aufzunehmen scheinen.    


Jeweils mittwochs sind bis Mitte Oktober weitere abendfüllende Veranstaltungen mit zum Teil hochkarätigen Gästen geplant. So wird die Literaturwissenschaftlerin Sonja Hilzinger, die die Werkausgabe von Christa Wolf herausgegeben hat, die "Arbeits- und Lebensgemeinschaft" der Wolfs beleuchten (19. September).    


Der Lyriker Manfred Jendryschik gibt seit 2010 die Edition Cornelius im Projekte-Verlag Halle heraus, in der eine Reihe von Erzählungen Christa Wolfs zusammen mit Arbeiten der in Jena ausstellenden Künstler erschienen. Er wird die Wort- und Bildwelten auch in seinem Vortrag zusammenführen (26. September).    


Karlheinz Mund stellt seinen 1990 entstandenen Dokumentarfilm "Zeitschleifen - im Dialog mit Christa Wolf" vor (10. Oktober). Der Filmemacher hat die Autorin in den bewegten Zeiten des Umbruchs mit der Kamera begleitet, die Schriftstellerin Daniela Dahn interviewt sie in dem Streifen.    


Eine Schreibwerkstatt, geleitet von Nancy Hünger und Ulrike Ellguth-Malakhov, bietet an drei Montagen im September die Chance zu produktiver Auseinandersetzung mit den Wort- und Bildwelten.    


Eine echte Premiere gibt es zur Finissage der Ausstellung (19. Oktober), wenn Stefan Eim das Hörbuch "August" vorstellt. Dagmar Manzel hat diese noch unveröffentlichte Erzählung eingelesen, die Christa Wolf ihrem Mann zum 60. Hochzeitstag schenkte und die im November zeitgleich als Buch (Suhrkamp-Verlag) und Hörbuch (Audio Verlag) erscheint. Die Geschichte, die Christa Wolf wohl als letzte vor ihrem Tod verfasst hat, greift mit dem achtjährigen August, der auf der Flucht aus Ostpreußen seine Mutter verlor, eine Figur aus ihrem 1974 erschienenen autobiografischen Roman "Kindheitsmuster" wieder auf.