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15.11.2004

Ich hatte nie eine Leiche im Keller

von Frank Döbert Ostthüringer Zeitung

Krimi-Erfolgs-Autorin Ingrid Noll über ihre anhaltende Neigung zum Männer-Morden

Jena. Die Krimi-Autorin Ingrid Noll begeisterte am Freitag zum Lesemarathon im F-Haus ein vor allem weibliches Publikum. Das liegt wohl an den gemeinsamen Interessen, denn die Männer sind meist die Opfer in ihren Erfolgs-Krimis. Woher die Lust zum "Morden" bei ihr kam, verriet sie in der "Noll", deren Inhaber Michaela und Andreas Jahn sie zur Lesung eingeladen hatten.

Frau Noll, wie gefällt es Ihnen in der "Noll"?

Ich bin begeistert, natürlich auch von der Wortspielerei, wo ist schon eine Gaststätte nach einer Autorin benannt worden. Dabei, und jetzt verrate ich mal ein Geheimnis, heiße ich gar nicht Noll.

Wie das, Ihre Leser kennen sie doch unter diesem Namen?

Eigentlich hieß ich nur 23 Jahre Ingrid Noll, und seitdem Ingrid Gullatz. Noll war also mein Mädchenname. Aber dabei zu bleiben ist doch ganz praktisch.

Wie es heißt, hat man zuvor schon zwei Mal vergeblich versucht Sie einzuladen. War Ihnen Jena wirklich zu provinziell, wie man daraufhin vermutete?

Ach, so ein Quatsch. Ich komme aus einer viel kleineren Stadt, das ist wirklich Provinz. Alle Anfragen an den Verlag kenne ich ja gar nicht. Und Lesereisen muss ich beschränken, denn ich habe meine 103 Jahre alte Mutter zu pflegen.

Der Herbst ist Haupt-Lesezeit, wann "morden" Sie denn dann - übern Winter bis zum Sommer?

Beim Männermorden spielt die Jahreszeit gar keine Rolle, das geht immer. So habe ich schon sehr viele sterben lassen, aber auch Frauen. Man braucht nur Phantasie beim Krimi-Schreiben.

Ihr Mann wird hoffentlich kein ängstlicher Typ sein?!

Wir steuern schon auf die Goldene Hochzeit zu, da braucht er nicht mehr zu zittern. Im übrigen hätte er als Arzt bessere Tricks gehabt als ich.

Sie sind sehr produktiv - wie auch Ihr neuestes Buch "Falsche Zungen" mit Kurzgeschichten zeigt, aus denen Sie Kostproben lasen. War das in Ihrem "ersten" Leben auch so?

Da habe ich 20 Jahre lang in der Praxis mitgearbeitet und drei Kinder groß gezogen. Aber nur kochen und Scrabble spielen wollte ich nicht - ich musste schreiben. Mit 55 Jahren habe ich endlich damit begonnen. Schon nach ein, zwei Krimis hatte ich Blut geleckt. Am Anfang gab´s noch viele Tote, dann habe ich reduziert.

Und hatten Sie schon mal selbst eine Leiche im Keller?

Noch nie.

Viele Ihrer bitterbösen und trotzdem witzigen Krimis sind verfilmt worden. Finden Sie die auch so spannend?

Da bin ich nie ganz zufrieden. Wissen Sie, die Bücher sind meine Kinder, die Filme meine Enkel. Da kann man nicht so viel dafür. Interview: Frank Döbert