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24.11.2017

Hüpfemänner in den Höhlern in Gera vorgestellt

von Robin Kraska Ostthüringer Zeitung

Autor Rainer Hohberg im Höhler Nr. 152, unterhalb der Buchhandlung Brendel. Viele ­Zuhörer kannten die Geschichte von den Hüpfemännern von früher. Foto: Robin Kraska

Gera. Zu alten Thüringer Volkssagen hatte Rainer Hohberg schon viel geforscht. Doch als er bei einem Vortrag vor zwei Jahren von einem Zuhörer gebeten wurde, einmal zu den Hüpfemännern – gruseligen Gestalten auf Sprungfedern, die um 1950 vor allem nahe verschiedener Wismut-Stätten gesichtet wurden – zu recherchieren, musste er zugeben, noch nie davon gehört zu haben.

Zwei Jahre später hat er alles gesammelt, was er zu dem Thema finden konnte und mit Zeitzeugen gesprochen. Im August produzierte er für den Deutschlandfunk einen längeren Beitrag, den er Dienstagabend im Höhler Nr. 152 unter Brendel’s Buchhandlung hochinteressierten Zuhörern vorstellte.

„Ganz viele ältere Menschen, mit denen ich gesprochen habe, hatten lebhafte Erinnerungen an die Hüpfemänner“, sagt Hohberg. Am liebsten seien sie in der Dämmerung aufgetaucht, hätten Sprünge von bis zu zwanzig Metern gemacht. Oft hätten sie sich mit Phosphor ein schauriges Gerippe auf die Kleidung gemalt und lüfteten dann den langen schwarzen Mantel vor ahnungslosen Passanten. Wer hinter den Erscheinungen steckte, ist bis heute ungeklärt. „Manche sagen, es waren versprengte SS-Leute auf Russenjagd, wieder andere, dass es Wismut-Handlanger waren, die die Bevölkerung von sensiblen Orten, etwa von Probebohrungen, fernhalten sollten, oder aber von westlichen Geheimdiensten angeheuerte Propagandisten und Saboteure, die zum Beispiel die Uransuche stören sollten.“

Das vorwiegend ältere Publikum beteiligt sich rege an der Diskussion; fast jeder kennt Berichte von Eltern oder Großeltern. „Komm nicht so spät nach Hause, die Huppmännel gehen um“, erinnerte sich eine Zuhörerin aus Zwickau. Tatsächlich, glaubt Hohberg, wurde der Hüpfemann mit der Zeit instrumentalisiert, zum Beispiel eben als Kinderschreck oder von Halbstarken zum Jux. „Dabei­ waren die Folgen dieser ‚Überfälle‘ teils drastisch“, hat Hohberg recherchiert. Alte fielen in Ohnmacht, Schwangere sollen sogar ihr Kind durch den Schreck verloren haben. Viele raubten ihre Opfer aus, erbeuteten Pelz, Schmuck und Geld. Im von den Nazis besetzten Tschechien wiederum tauche die Figur als mutiger Widerstandskämpfer Pérák auf.

Seine Äußerungen in einem früheren OTZ-Artikel, in dem Hohberg das Phänomen noch als Sage abtat, „gerieten zum Sakrileg“, wie er sagt. Protestbriefe erreichten ihn, seine „ironische Darstellung verkehre ­alles ins Lächerliche.“ Die Hüpfemänner waren im kollektiven Gedächtnis verankert.

Nun hat Rainer Hohberg die Option auf ein Buch in Aussicht.