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02.01.2009

Furios, schlau, anregend und unterhaltsam: Herr Thieme im Telefonverhör

von Frank Quilitzsch TLZ

Staunend bis enthusiastisch wird in überregionalen Medien das Gesprächsbuch "Thomas Thieme: Ich Faust" von TLZ-Kulturredakteur Frank Quilitzsch besprochen (Verlag Theater der Zeit, Berlin, 265 S., 18 Euro). Unter der
Überschrift "Herr Thieme im Telefonverhör" urteilt Wolfgang Höbel im Nachrichtenmagazin "Der SPIEGEL":
Er spielte in "Der Untergang", in "Das Leben der Anderen" und im "Baader Meinhof Komplex". Dass der Schauspieler Thomas Thieme trotz so viel Kino-Präsenz ein wahrer Theatertitan ist, ging dabei vergessen. Fast. Denn
ein so vergnügliches wie kluges Buch erinnert daran.
Im Jahr 2001 kehrte der in Weimar geborene und dort auch aufgewachsene Schauspieler Thomas Thieme, damals gerade erst in einer Umfrage unter Deutschlands Kritikern zum Schauspieler des Jahres gekürt, in seine Heimatstadt zurück, weil er im Weimarer Nationaltheater den Doktor Faust im "Faust" des Johann Wolfgang Goethe spielen sollte. Er vereinbarte mit einem Weimarer Kritiker namens Frank Quilitzsch, während der Proben immer mal wieder Telefon-Interviews über den Fortgang der Arbeit zu geben und seitdem reden die beiden praktisch ohne Unterlass.
(...) Aus diesen komischen, ernsten und manchmal absurden Texten erfährt man nicht nur jede Menge über den Menschen Thieme, diverse wichtige Fußballspiele und die Weimarer Verhältnisse vor und nach dem Mauerfall, sondern auch über die Lust und den Frust der deutschen Theaterwelt. Etwa,
wie er nach einigen Schikanen 1984 legal von Ost nach West umsiedeln durfte, danach bei den heute schon legendären Krawallinszenierungen Einar Schleefs in Frankfurt am Main mitmischte und bald am Burgtheater in Wien und an der
Berliner Schaubühne landete.
Quilitzsch fragt bei jedem seiner Telefonverhöre, wo sich Thieme gerade aufhält, wodurch das lustige Bewegungsbild eines Großmimen entsteht, der mal hier eine Filmrolle spielt und mal dort in der ungewohnten Rolle des
Theaterregisseurs losdonnert: "Dass es krachen wird, ist gar nicht zu vermeiden."
Schlau und anrührend spricht Thieme über die Rollen, die er spielt, den Streit um den entrissenen Notizblock eines Theaterkritikers, seine Eltern und sein ruppiges Idol Zinedine Zidane, und die Grenzen seiner Darstellungskunst. Er könne ja allerhand, aber "ich kann mich nicht zwanzig
Jahre jünger spielen".

Peter von Becker äußert sich zu dem Band im "TAGESSPIEGEL":
Gar nichts geschrieben, nur oft anregend, intelligent, zornig, selbstbewusst geredet hat der Schauspieler, Regisseur und Musiker Thomas Thieme mit dem Journalisten Frank Quilitzsch: Da haben sich zwei gebürtige Thüringer
getroffen und den gut geballten Paperback "Thomas Thieme: Ich Faust" als unterhaltsame Biografieausrede zustande gebracht.

Last but not least lobt Matthias Biskupek m "EULENSPIEGEL":
Thieme werden wir demnächst als Helmut Kohl sehen; er spielte schon einen fiesen Minister im deutschen Oscar-Film "Das Leben der Anderen" und einen preisgekrönten Faust am Weimarer Theater. Dies war auch der Anlass für
Quilitzsch, Thieme allüberall auf dem Handy anzurufen und zu fragen: "Herr Thieme, wo sind Sie?" Die sich daraus entwickelnden Gespräche über einen Zeitraum von acht Jahren sind immer verblüffend und anregend durch den
Theater-Berserker Thieme und immer intelligent und geistreich durch den Befrager und Gesprächskomponisten. Faust und Mephisto, der Theaterkritiker und die Rampensau, der Weggegangene und der Gebliebene. Sie reden über Gott
und die Welt und ausdauernd vom Theater und können allein über der Frage: "Wie sprechen Sie eigentlich das ,Ach!'?" zu Versgebäuden, Kleinfamilien und neuen Nazis kommen. Ein Theaterkritikerschlusssatz: Sehr kräftiger Beifall!