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21.06.2004

Erst nach der dritten Zugabe Feierabend für Wenzel & Band

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Renfts "Wandersmann" die Nummer 1 in Dieckmanns DDR-Top-Ten

Erst nach der dritten Zugabe hatten Hans-Eckhardt Wenzel und seine internationale Band "mit Quoten-Wessi" Feierabend. Nach fast zwei Stunden Konzert wollten die begeisterten Fans am Freitag in der Stadtkirche Ranis noch mehr hören von seinen eigenwilligen Songs und der Künstler - schon zu DDR-Zeiten Kult - gönnte es ihnen.

Hans-Eckhardt Wenzel packt eine aufregende Mischung aus Folk und Rock, Jazz und Punk, Chanson und Shanty, Klezmer und Klassik in seine Lieder und bringt sie klanggewaltig zu Gehör. Sogar einen eigenen "Schlager" gab er - als Parodie des kommerziellen Musikbetriebes - zum Besten. Die Verse, die Hans-Eckhardt Wenzel singt, sind mal zu Herzen gehend, mal richtig derb, mal fröhlich und mal traurig, und so oder so dringt stets die Hoffnung nach einer menschlicheren, vor allem spießerfreien Welt durch. Von "Utopie durchsetzt" ist sein Gesang, sagt Hans-Eckhardt Wenzel selber. Dabei vertont der studierte Kulturwissenschaftler nicht nur eigene Lyrik, sondern auch aus den Nachlässen des linken amerikanischen Liedermachers Woody Guthrie (1912-1967) und des jüdisch-österreichischen Dichters Theodor Kramer (1897-1958). Schließlich: So unterhaltsam wie Hans-Eckhardt Wenzel stellt kaum ein Star seine Band vor.

Den Abend hatte Christoph Dieckmann eingeleitet. Er las seinen Text "Küche, Kammer, weite Welt" aus dem von Michael Rauhut und Thomas Kochan herausgebrachten Band "Bye bye, Lübben City", der den "Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR" ein Denkmal setzt. Christoph Dieckmann berichtete u. a. von Konzerten der Stern-Combo Meißen und der Puhdys, erklärte den 1973 erstmals gesungenen "Wandersmann" von Renft zur Nummer 1 seiner DDR-Top-Ten und meinte außerdem: "Wenn wir Ossis uns nicht selber lieben, dann tut´s keiner."