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04.06.2012

Erfolgreiche Premiere: Über 2000 Besucher bei Buchmesse in Pößneck

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

1. Mitteldeutsche Buchmesse in Pößneck: Jens-Fietje Dwars und Detlef Ignasiak (von links) machen Besuchern am Stand des quartus-Verlages aus Bucha bei Jena Bücher der Edition Ornament und Hefte des literarischen Journals "Palmbaum" schmackhaft.

 

Rund 2150 Besucher zählte am Wochenende die erste Mitteldeutsche Buchmesse in Pößneck. Mir fällt ein Stein vom Herzen, sagte Messeinitiator Riccardo Thomas gestern Nachmittag in der gut gefüllten Shedhalle. Das machen wir nochmal, kündigte Alf-H. Borchardt, Vorsitzender des veranstaltenden Pößneck attraktiver e. V., an und nannte das Wochenende 30. Mai/1. Juni 2014 als Termin der zweiten Mitteldeutschen Buchmesse.

Pößneck. Mancher der 71 Aussteller war sich gestern schon sicher, in zwei Jahren wieder dabei zu sein. Einer Reihe von Geschäftsführern von Klein- und Kleinstverlagen sowie einigen Selbstverlegern zufolge, stimmten die Buchverkäufe und war das Publikum interessiert. "Ein totaler Erfolg!", urteilte Uwe Lammla vom Arnshaugk Verlag Neustadt. An benachbarten Ständen lächelten Gisela Rein vom Espero-Verlag Ziegenrück und Sieglinde Mörtel vom Welken Verlag Hummelshain zufrieden. Dieter Albert vom Thami-Verlag Neunhofen war nicht nur mit dem Umsatz zufrieden, vielmehr habe ihn die Messe ermutigt, weitere Kinder- und Jugendbücher von Verena Zeltner herauszubringen.

"Ich hatte mir von Pößneck nicht viel versprochen", gestand Detlef Ignasiak vom quartus-Verlag aus Bucha bei Jena und stellte überrascht fest: "Es sind mehr Leute da, als ich gedacht hätte." Jens-Fietje Dwars warb derweil mit Leib und Seele für die Bände der von ihm betreuten Edition Ornament im quartus-Verlag, in denen Literatur und Grafik aus Mitteldeutschland so sinnlich miteinander verbunden sind, dass sie sich für den nächsten Wettbewerb um die schönsten deutschen Bücher anbieten. "Um 10 Uhr hat die Messe geöffnet, drei oder vier Minuten später haben wir das erste Buch verkauft", sagte am Sonnabend Ralf-Dieter May vom Eobanus Verlag Erfurt. Das Lexikon "Das gläserne Rathaus" war an seinem Stand der Hit. Bücher zur thüringischen Geschichte und Kultur hat die noch junge Firma im Programm, außerdem wollte sie in Pößneck ihr Portal www.thueringen-universal.de bekannter machen. May resümierte: "An einem Sammelstand auf den großen Buchmessen geht man unter, hier hat man eher die Möglichkeit, bekannter zu werden." Aus der großen Buchmessestadt Leipzig fand der Plöttner Verlag nach Pößneck und Geschäftsführer Jens Plöttner sagte: "Wir treffen hier auf einen Personenkreis, der sich für Bücher interessiert und den man für unsere Bücher begeistern kann." Sonnabendnachmittag hatte er zwar noch kein einziges Buch verkauft, "aber das ist auch auf der Leipziger Buchmesse nicht einfach". Gelohnt habe sich Pößneck "wegen der Gespräche", etwa mit einigen Autoren über deren noch unveröffentlichte Manuskripte. "Nachdem wir in Pößneck schon mehrere Bücher gedruckt haben, wollten wir die Stadt mal kennenlernen", sagte Antje Roder vom Roder Verlag aus Erlangen. Auf Facebook sei sie auf die Messe gestoßen, die sie als "familiär und freundlich" schätzte. "Uns gefällt auch die Gegend", sagte sie. Nebenbei förderte die Veranstaltung wohl den Fremdenverkehr.

Freunden des guten Gedichts schlug das Herz am Stand des Märkischen Verlages Wilhelmshorst höher, waren doch da die neuesten Hefte der Reihe "Poesiealbum" aufgereiht. Zu DDR-Zeiten noch in 40 000-er Auflagen gedruckt, werden heute die jährlich sechs Ausgaben der legendären Reihe jeweils etwa 1000 Mal nachgefragt, berichtete Klaus-Peter Anders. "Wir sind nicht wegen des Verkaufs hier", sagte der Verleger. "Viele Leute wissen nicht, dass es das Poesiealbum' wieder gibt." Auf Veranstaltungen von Basel bis Berlin und eben auch in Pößneck wirbt er für die Gedichthefte. "Für uns ist die Langzeitwirkung entscheidend", resümierte Anders.

"Eine tolle Veranstaltung!", entfuhr es Juergen K. Klimpke. Der Herausgeber der "Schleizer Heimathefte" trat das vorerst letzte Mal als Verleger auf, muss er sich doch ab 1. Juli auf seinen neuen Job als Bürgermeister der Kreisstadt konzentrieren. Verkauft hat er in Pößneck zwar nicht viel "Schleiz ist halt sehr speziell", sagte Klimpke. Klar war für ihn allerdings: "Diese Veranstaltung ist für den gesamten Saale-Orla-Kreis wichtig. Hut ab vor den Machern der Buchmesse!"

Fünf-Minuten-Texte der Hit

Carola Gruber, Schriftstellerin aus München und Stadtschreiberin in Ranis, hatte vielleicht den härtesten Job unter den Ausstellern auf der ersten Mitteldeutschen Buchmesse in Pößneck. Sie bot den Besuchern an, kostenlos einen "Fünf-Minuten-Text" zu einem gewünschten Thema zu schreiben und konnte sich dann vor allem am Sonnabend vor Aufträgen kaum retten. Kurzprosa zu einem 60. Geburtstag oder zur lesbischen Liebe wurden bestellt, verriet Gruber, die die Messe alles in allem "atemberaubend" fand. "Wir sind sehr glücklich", bilanzierte Margit Günther von der Pößnecker Buchhandlung Am Markt, die in der Messehalle den Buchhandel vertrat. Kinderbücher seien sehr gefragt gewesen, der Umsatz habe alle Erwartungen übertroffen. Unter den Bibliothekarinnen, die sich in der Shedhalle umsahen, war Alexandra Junge. Anschaffungen für die Stadtbibliothek Neustadt und die Knüpfung neuer Kontakte zu Verlagen waren ihre Anliegen während eines etwa zweistündigen Messeaufenthaltes. "Eine Buchmesse für Kleinverlage, das klang am Anfang schon etwas komisch", sagte Messebesucher Wolfgang Lutz aus Langendembach. "Aber jetzt sieht das toll aus", war er gestern begeistert.

Mal vier, mal vierzehn, auch mal vierzig

Zu den über 35 Lesungen der Buchmesse gab es mal vier, mal vierzehn, auch mal vierzig Hörer, je nach Autor, Buchthema, Uhrzeit. Mancher Lesung in der mongolischen Jurte, die quasi eine Insel in der Messehalle war, verhalf allein schon der ungewöhnliche Leseort zu neugierigem Publikum. Die gefragteste Lesung war jene von Manfred Krug am Freitagabend zum Messeauftakt in der Stadtkirche, die sich über 350 Menschen gönnten. Die Stadtkirche war erstmals seit etwa fünfzehn Jahren wieder Gastgeberin einer Schriftstellerlesung.