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17.12.2015

Englischstunde mit irischen Märchen im Pößnecker Gymnasium

von Uwe Frost Ostthüringer Zeitung

Der irische Märchenerzähler Jack Lynch fesselte die Schüler des Pößnecker Gymnasiums mit Märchen aus seiner Heimat und aus Marokko. Foto: Uwe Frost

Englisch-Unterricht auf eine etwas ungewöhnliche Art: Der irische Märchenerzähler las Schülern des Gymnasiums Am Weißen Turm in Pößneck Märchen in seiner Heimatsprache vor.

Pößneck. Der Vorsitzende der Schriftstellervereinigung Storytellers of Ireland begann mit einem lockeren Vortrag über die Mythologie als der Basis vieler Märchen. Er wies darauf hin, dass das altgriechische Wort für Schmetterling Psyche war, was auch für die Seele steht. Hier symbolisiere sich das Wesen des Schmetterlings als Sinnbild der Transformation und Veränderung. Und Märchen könnten diese Transformationen vor Augen führen, sagte Lynch.

„Es ist für mich wichtig, vor jungen Menschen zu lesen. Das ist für mich eine Quelle der Inspiration, wenn ich die Reaktionen der Schüler sehe“, sagte Lynch nach der 90-minütigen Unterrichtsstunde. Es sei ihm wichtig, mit den Märchen und Erzählungen etwas von der Geschichte, den Mythen und dem Leben seines eigenen Volkes, aber auch anderer Völker zu erzählen. „Märchen sind eine Möglichkeit, Jahrhunderte alte Erfahrungen an junge Menschen weiter zu geben und die Angst vor fremden Kulturen zu nehmen“, sagte Lynch. der in der ganzen Welt in Schulen, Büchereien, Krankenhäusern liest.

Mut machen, eine fremde Sprache anzuwenden

Anke Nordmann, Lehrerin für Englisch und Deutsch am Gymnasium, ist durch ihren Kollegen und Vorsitzenden des Vereins Lesezeichen, Andreas Berner, auf Lynch aufmerksam geworden. Mit dem Verein und Förderung durch das Land wurde auch der Besuch Lynchs in Pößneck ermöglicht.

Diese Form des Unterrichts habe man zum ersten Mal durchgeführt, sagt Nordmann. Normalerweise gehen wir einmal im Jahr mit den Schülern nach Gera zu einem Gastspiel englicher Ensembles.

Man könne nicht erwarten, dass Schüler bei diesem Ausbildungsstand schon jedes Wort verstehen. Trotzdem sei es eine wichtige Erfahrung zu merken, dass man den Sinn erfassen kann. „Aber wir wollen den Schülern Mut machen eine Fremdsprache auch anzuwenden, auch wenn man noch Defizite hat“ sagt die Lehrerin: „Wenn uns das gelungen ist, haben wir viel erreicht.“