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24.11.2014

"Ein heiteres Haus": Sylvia Weigelt über ihr Buch zum Wasserschloss in Wolfersdorf

von Sabine Wagner Ostthüringer Zeitung

Autorin Sylvia Weigelt vor dem Hanfried-Denkmal auf dem Jenaer Markt.

Das Wasserschloss "Fröhliche Wiederkunft" in Wolfersdorf im Saale-Holzland-Kreis ist eng mit der Reformationsgeschichte verbunden, obwohl Martin Luther das Schloss nie gesehen hat.

Wolfersdorf. Sein Erbauer und wichtigster Förderer und Gönner Luthers war Kurfürst Johann Friedrich I. (1503-1554), der Großmütige genannt. Als einer der Anführer des Schmalkaldischen Bundes geriet er in kaiserliche Gefangenschaft, verlor seine Kurfürstenwürde und Teile seines Territoriums. Noch aus der Gefangenschaft heraus gab er den Auftrag zum Bau des Schlosses, das seit dem 15. September 1552, als Johann Friedrich, seine Gemahlin Sibylle und die drei Söhne in den Abendstunden auf Schloss Wolfersdorf zusammenfanden, den Namen "Zur fröhlichen Wiederkunft" trägt. Belegt ist der Name allerdings erstmals am 27. Dezember.

Die Jenaer Germanistin und Historikerin Sylvia Weigelt hat jetzt - gefördert von der Luther-Stiftung und unter Mitwirkung von Ulrich Schubert - eine Publikation vorgelegt, in der die über 460 Jahre alte Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner dokumentiert ist. Die Verkaufseinnahmen fließen direkt in die Sanierung der weitläufigen Anlage, um die sich seit 2007 die Schloss Wolfersdorf Verwaltungsgesellschaft (SWVG) bemüht.

Frau Weigelt, wie ist die Idee zu dieser Publikation entstanden?


Im Juli 2012 habe ich zur Eröffnung des Fürstensaales im Schloss mein Buch "Sibylle von Kleve. Cranachs schönes Modell" vorgestellt. Sibylle von Kleve war die Ehefrau Johann Friedrichs und damit auch die erste Schlossherrin in Wolfersdorf. Das Buch entstand zu ihrem 500. Geburtstag. Recherchiert dafür habe ich auch auf Schloss Wolfersdorf und kam dabei mit der Verwaltungsgesellschaft in Kontakt. Letztendlich ist so - über einige Umwege - die Idee zum Buch entstanden.

Mit welchem Ziel?

Anliegen war, die Geschichte des Schlosses von den Anfängen bis in die Gegenwart aufzuarbeiten und zugleich Wolfersdorf als nationalen Gedenkort der Reformation zu präsentieren. Letzteres wird deutlich in Gestalt des Erbauers Johann Friedrich, der ja auch Gründer der Jenaer Universität ist, und insbesondere in Bezug auf die Restaurierungsarbeiten im 19."Jahrhundert unter Herzog Joseph von Sachsen-Altenburg. Besonders in dieser Zeit wurde der Gedanke an die Reformation und den Bauherren neu belebt.

Schloss Wolfersdorf ist zwischen 1547 und 1551 von Niklas Gromann erbaut worden. Wie schwierig ist es, fast 500 Jahre Geschichte in ein verhältnismäßig schmales Buch, auf rund 160 Seiten, zu bringen? Wo haben Sie dafür recherchiert?


Recherchiert habe ich im Archiv von Schloss Wolfersdorf, im Staatsarchiv Altenburg und im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar. Das Problem war tatsächlich, mich zu beschränken. Einen gewissen Vorlauf hatte ich durch meine Arbeit zu Sibylle von Kleve, bei der ich mich schon mit Johann Friedrich und dem Bau des Schlosses beschäftigt hatte. Wichtig waren für mich drei Schwerpunkte: die Personen und Ereignisse, die das Schloss mit der Reformation in Verbindung bringen, die aktuellen Sanierungen im Schloss, und letztendlich die Geschichten, die mit den historischen Personen in Zusammenhang stehen.

Was sind die wichtigsten Stationen in der Geschichte des Schlosses?


Das ist zum einen die Erbauung des Schlosses selbst mit den schwierigen Bedingungen für alle Beteiligten. Wichtig ist auch die Zeit Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhundert, in der das Schloss verfällt. Dass es nicht völlig verfiel, ist Herzog Joseph zu verdanken. Als zum 300. Geburtstag Johann Friedrichs von der Jenaer Bürgerschaft das Hanfried-Denkmal errichtet wurde, sagte Herzog Joseph stopp. Er wollte seinem verehrten Ahnherren mit der Restaurierung des Schlosses sozusagen ein eigenes Denkmal setzen und brachte es damit wieder ins öffentliche Bewusstsein. Kurioserweise standen auf seinem Schreibtisch aber doch zwei Hanfried-Modelle. Weitere Stationen in der Geschichte des Schlosses waren die Jahre als Ferienheim der Jenaer Uni, als Jugendwerkhof und nach der Wende als Jugendlernhof. 2007 wurde es dann Eigentum der Verwaltungsgesellschaft. Das Buch ist aber nur ein erster Versuch, sich der wechselvollen Schlossgeschichte zu nähren.

Wer Ihre Bücher kennt, weiß, dass Sie immer den Geschichten hinter der Geschichte auf der Spur sind. Wie ist das im neuen Buch?

Interessant ist beispielsweise die Geschichte der vier Töchter von Herzog Joseph, die sich der Familie eng verbunden fühlten und sich ebenfalls für die Restaurierung des Schlosses engagierten. Marie wurde Königin von Hannover, Elisabeth Großherzogin von Oldenburg. Therese blieb unverheiratet und nutzte das Schloss bis zu ihrem Tod als ihre Sommerresidenz. Und die jüngste, Alexandra, wurde Großfürstin von Russland. Sie hatte 1844 während eines Kuraufenthaltes in Bad Kissingen die russische Zarenfamilie kennengelernt, die von dem jungen Mädchen überaus begeistert war. Großfürst Konstantin aus dem Hause Romanow wurde ihr Ehemann. Noch heute gibt es im Schloss eine Gedenktafel, die an die vier Töchter erinnert. Interessante Episoden finden sich auch bei Herzog Ernst II., der als letzter Reichsfürst auf dem Gebiet der DDR in die Geschichte eingegangen ist.

In Schloss Wolfersdorf ist seit 2007 viel passiert, bis zum Reformationsjubiläum 2017 soll die Innensanierung des Hauptgebäudes abgeschlossen sein. Was können Besucher schon heute sehen?

Der Fürstensaal und das Bilderzimmer sind fertig, auch das Gewölbe mit der Silberkammer. Zugänglich sind zudem der Empfangsraum, der Blaue Salon, das Malzimmer und das aufwändig restaurierte Herzog-Joseph-Zimmer. Seit gut sechs Jahren bietet die Verwaltungsgesellschaft öffentliche Vorträge, Führungen und Konzerte im Schloss an, einige Räume werden für Trauungen genutzt, und es gibt ein kleines Café. Erklärtes Ziel ist die Wiederherstellung der alten Gemäuer im Stil der Neogotik und des Historismus, also des Zustandes um 1865 zur Zeit Herzog Josephs. "Fürwahr ein heiteres Haus", nannte Sibylle von Kleve Schloss Wolfersdorf. Und das soll es auch wieder werden.