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18.11.2002

Dichters Leben neu entdeckt

von Stephan Laudien TLZ

Jena. (tlz) Nein, einen besseren Zieleinlauf kann man sich kaum vorstellen: Der 8. Lesemarathon ging am Samstag Abend zu Ende, und der letzte "Läufer" legte einen tollen Schlussspurt hin. - Ezard Haußmann las Hermann Hesse, oder besser gesagt, Haußmann machte die Gäste im ausverkauften Raum 10/11 mit einem Hermann Hesse vertraut, wie er wohl nicht jedem geläufig sein dürfte. Der Mime einer Hesses Briefe aus der Nervenheilanstalt; wilde, rebellische Anklagen wider den Vater, wider das bornierte Bürgertum, das den Dichter nicht versteht, nicht verstehen kann. Wortgewaltige Briefe, von einem gerade 15-Jährigen verfasst ...

Haußmann las Liebesgedichte und Schriften, die Hesses klaren und liebevollen Blick auf die Natur verraten. Er stellte Schnurren und Skurriles vor, das der vor 125 Jahren zu Calw geborene Nobelpreisträger meisterlich zu Papier gebracht hatte. - Nicht von ungefähr hatte Haußmann seinen Hesse-Abend mit "Hermann Hesse - Der Pilger" überschrieben. Denn viele Texte verrieten deutlich des Dichters Hinwendung zum Buddhismus, zu fernöstlichem Gedankengut. Pictors Metamorphosen gerieten so zu einem Hohelied auf die ewige Verwandlung, den steten Kreislauf des Lebens, das keinen Anfang und kein Ende kennt. - Sein Ende fand hingegen der Lesemarathon, der in diesem Jahr erneut großes Interesse fand. So musste für Heiner Geißler ein größerer Raum bezogen werden, Wladimir Kaminer und Ezard Haußmann waren ausverkauft. Dr. Martin Straub vom Verein "Lesezeichen" konnte zudem gut 800 Euro an Spenden sammeln, die der in Elbefluten "ertrunkenen" Bücherei Bad Schandau und der Buchhandlung "Lesezeichen" in Dresden zugute kommen werden.