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03.12.2005

Der Thüringer Kulturpreis: Lob der Laien

von Frauke Adrians und Lilo Plaschke Thüringer Allgemeine

Schiller hätte das gefallen: Nicht die platzhirschigen Profis sind preiswürdig - die kreativen Laien kriegen im Schillerjahr den Thüringer Kulturpreis. Am Montag wird er an Gymnasien in Weimar und Buttelstedt sowie an das Schillertheater Bauerbach verliehen.

Das Weimarer Schillergymnasium hatte es im Schillerjahr nicht leicht. Wer den Namen des Jubilars im Titel führt, für den sind besondere Anstrengungen zwingend. Das Schillergymnasium meisterte die Aufgabe mit Bravour. So viel Schiller war nie.

Nur ein kleiner Teil der Auseinandersetzung mit dem großen Weimarer, aber der für die Öffentlichkeit sichtbarste, war die Schiller-Deklamation auf offener Straße. Schüler der beteiligten Schulen - neben dem Schiller- das Goethe-, das Fallersleben- und das Sophiengymnasium sowie das Feininger-Gymnasium in Buttelstedt - trugen im Umfeld von Schillers 200. Todestag im Mai in der Weimarer Innenstadt Schillertexte vor und kamen mit Passanten ins Gespräch. "Manche älteren Leute, die in ihrer Jugend vieles auswendig lernten, hatten Tränen in den Augen", erzählt Felix Leibrock, Weimars Kulturdirektor.

So viel Rührung ist den Jugendlichen eher fremd. Aber auch ihnen wuchs Schiller im Schillerjahr mehr oder minder eng ans Herz. "Mich hat beeindruckt, dass er trotz seiner Unterdrückung an der Karlsschule ,Die Räuber´ geschrieben hat", sagt Josef Kauer (12). Seine 7. Klasse am Schillergymnasium hat aus Originaltexten ein Theaterstück zu Schillers harter Schulzeit zusammengestellt. Elsa Weidig (17) aus der 11. Klasse führte nicht nur bei einer Feier mit dem Weimarer Schillerverein durchs Bühnenprogramm, sie lernte auch, wie man Jugendgruppen durchs Schillerhaus leitet. Fürs Erste hat sie nun zwar genug von Schiller - aber bestimmt nicht für immer.

Der Thüringer Kulturpreis ist mit 12 800 Euro dotiert, einen Teil davon bekommt das Schillergymnasium. Da sollte für alle Schüler, die bei der Deklamation auf der Schillerstraße mitgemacht haben, eine kleine Überraschung drin sein, zumindest eine Urkunde, findet Schulleiterin Brigitte Walther. Was mit dem übrigen Geld anzufangen ist, darüber werde noch entschieden. "Der Kulturpreis hat die Schüler unglaublich motiviert", betont Walther. Auch der Beifall der Erwachsenen tat vielen gut. Einige Herrschaften vom Schillerverein mussten wohl umlernen: "Sie hatten den Schülern freies Rezitieren und so viel Disziplin gar nicht zugetraut."

Für das Naturtheater "Friedrich Schiller" in Bauerbach ist immer Schillerjahr. Da brauchte es eines 200. Todestages nicht, um sich, wie in jeder Spielzeit, und das seit fast einem halben Jahrhundert, dem Werk ihres Hausdichters mit Leib und Seele zu verschreiben. Und so wird das Naturtheater des Ortes, in dem der Klassiker Asyl gefunden hatte und "Kabale und Liebe" schreiben konnte, mit dem Thüringer Kulturpreis nicht nur für seine Aktivitäten im Schillerjahr geehrt, sondern für sein gesamtes bisheriges Engagement. Wohl bedenkend, dass die traditionsreiche Initiative einen ganzen Ort einbezieht. Wie das Schillermuseum zu Bauerbach, dem Anwesen von Schillers Gönnerin Henriette von Wolzogen, gehört das Naturtheater mit seiner romantischen Spielstätte unter uralten Bäumen zu den Markenzeichen der Region.

Es gibt kaum ein Schiller-Drama, das die Bauerbacher noch nicht auf ihrer vor 46 Jahren mit einer legendären "Tell"-Inszenierung gegründeten Naturbühne gespielt hätten. Doch für das diesjährige Jubiläumsjahr haben sie sich erstmals an "Die Jungfrau von Orleans" getraut und mit einer mutigen Konzeption und beachtlichen künstlerischen Umsetzung dem Jubiläum alle Ehre gemacht.

Mit den Theatermachern über die Bedeutung des Klassikers Schillers zu reden hieße Eulen nach Athen tragen. Längst ist ihnen auch internationale Beachtung sicher. Seit dem Jahr 2000 pflegen die Bauerbacher enge Beziehungen zu einem Theaterverein im fernen Japan und einen inzwischen regen Gastspielaustausch mit dem Ort Asahi-mura der Präfektur Niigata. Im Schillerjahr gastierten die Japaner in Bauerbach, nächstes Jahr bringt Bauerbach Thüringer Theaterflair nach Japan. In Erwägung gezogen wird das Stück "Die vernarbten Hände", das von den Nachwirkungen der Atombombe erzählt und vom Schicksal einer Mutter, deren diesbezügliche Probleme von Seiten der japanischen Regierung ignoriert werden.

Was die Bauerbacher Theatermacher mit dem Preisgeld von mehr als 6000 Euro machen werden, liegt auf der Hand: Theater spielen, Theater spielen, Theater spielen. Der Spielplan für 2006 ist schon nahezu komplett. Selbstverständlich erfährt "Die Jungfrau von Orleans" eine Wiederaufnahme. Fest steht mit "Tom Sawyers Abenteuer" auch das traditionelle Kinderstück. Und "Der Diener zweier Herren" erfährt womöglich eine durch den Thüringer Kulturpreis nunmehr ermöglichte umwerfende Ausstattung.

Dazu ist den Bauerbachern und den Zuchauern nur zu gratulieren.