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09.11.2014

Delikate Mixtur aus Literatur, Musik und Kunst: Lesung in Ranis

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Herausgeber Tom Schulz. Foto: Mario Keim

Mit dem Stück "Hör mein verflucht und zugenähtes Herz, hörst Du?" von Thomas Brasch servierte das Musik-Duo Recha Rothschild den Gästen der monatlichen Lesung auf Burg Ranis gleich zu Beginn des Abends ein Gänsehauterlebnis und führte in düsteren Worten passend in die Thematik der Veranstaltung ein.

"Wir wollen heute Stücke mit einer literarischen Markierung spielen", sagte Sängerin Pauline Selbig, die bei Gesang und am Piano vom Gitarristen Robert Loth begleitet wurde. In Ranis bereits bestens bekannt ist die Lyrikerin Nancy Hünger, die gemeinsam mit Tom Schulz aus Berlin den literarischen Part des Abends übernahm.

"Trakl und wir. Fünfzig Blicke in einen Opal" war das Motto der Veranstaltung, in der beide Schriftsteller aus dem gleich­namigen Band lasen, der anlässlich des 100. Todestages des expressionistischen Dichters Georg Trakl vor drei Wochen in der Stiftung Lyrik Kabinett in"München erschienen ist. Tom Schulz ist neben Mirko Bonné Herausgeber des Bandes, der den 1887 in Salzburg geborenen und 1914 in Krakau gestorbenen Künstler würdigen soll. In dem Buch enthalten sind Gedichte von Trakl, aber auch Verse von zeitgenössischen Schriftstellern aus dem deutschsprachigen Raum, die sich vom Österreicher inspirieren ließen, sowie Beiträge von Nora Gomringer, Nancy Hünger und Jan Volker Röhnert, die dem Raniser Literaturpublikum gut vertraut sind.

Für die Erfurterin Nancy Hünger sei es eine Herausforderung gewesen, an dem Buch mitarbeiten zu dürfen, sagte sie am Donnerstagabend. Dadurch habe sie Georg Trakl für sich neu entdeckt. Auch beim Lesen der Gedichte zeigte sie eindrucksvoll, dass sie zu einer der besten Lyrikerinnen deutscher Sprache zählt. Nicht umsonst wurde sie für ihre melodische und düstere Lyrik wiederholt mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet.

Eine "delikate Mixtur aus Musik, Kunst und Literatur" hatte Ralf Schönfelder, Projektleiter der Literatur- und Kunstburg Ranis, eingangs den Besuchern angekündigt und damit keineswegs zu viel versprochen. Mit ihrer Moderation trugen Nancy Hünger und Tom Schulz neben dem Lesen zu einem kurz­weiligen Abend bei. Als ein aufmerksamer Beobachter wirkte der Geraer Alexander Neu­gebauer, der Bilder zu Trakl, zu den Texten, zur Musik und zum Abend allgemein zeichnete. Dessen Kunstobjekte wurden auf eine Leinwand projiziert, so dass das Publikum ihm beim Entstehen der Bilder zuschauen konnte. In dieser Konstellation mit dem Zeichner war der Abend einmalig, sagte Ralf Schönfelder nach der Lesung, die der Verein Lese-Zeichen gemeinsam mit der Stadt Ranis und der GGP Media GmbH auf der Literatur- und Kunstburg Ranis ausgerichtet hat.

Die musikalisch-literarische Veranstaltung machte Lust auf mehr. Am 4. Dezember wird Jens Johler aus seinem Roman "Die Stimmung der Welt" über das Leben von Johann Sebastian Bach berichten. Natürlich gibt es dann auch live gespielte Musik vom Komponisten.