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03.12.2003

Blicke in immer neue Winke

von Oliver Will Ostthüringer Zeitung

Ab Sonntag bietet die Galerie "Westerheide" in Ranis "Weitere Aussichten" in Werke von 13 Thüringer Künstlern

Eine blaue Luke öffnet sich im Holzboden, grünes Licht scheint herauf. Oder liegt da ein Laptop auf dem Tisch? Nicht nur Bettina Schünemanns Ölbild ("Ohne Titel") lädt zu eigenen Interpretationen ein: "Weitere Aussichten" sind ab Sonntag in der Galerie "Westerheide" in Ranis zu erhaschen.

Ausgangspunkt der Ausstellung war ein Arbeitstreffen von bildenden Künstlern und Schriftstellern im September auf der Burg Ranis. Dabei brachten 13 in Thüringen lebende Maler, Lyriker und Fotografen ihre Eindrücke von der Burg, der Stadt und deren Umgebung zu Papier. In Wort und Bild. An einem Ort. "Es war interessant zu sehen, wie sich die Leute entgegen gekommen sind.", erzählt Dr. Martin Straub, Vorsitzender des Jenaer Lesezeichen e.V.

Autoren sahen den Malern zu, wie sie an Bildern arbeiten, Schriftsteller formulierten Vorstellungen und erste Texte. Von der Ilsenhöhle am Fuß des Burgbergs bis unter den Dachstuhl der Feste suchten die Künstler nach Unentdecktem. Die herbstliche Natur regte ebenso an wie fiktive Gesichter in den Mauersteinen. Der Blick in sonst verschlossene Räume begeisterte auch die Schriftstellerin Annerose Kirchner. Die ungewohnte Art des Arbeitens beeinflusste die Resultate: "Wir haben Texte geschrieben, die wir zu Hause nie geschrieben hätten."

Die Ergebnisse des Arbeitstreffens finden nun in der Galerie "Westerheide" ein erstes Podium. Rund 30 Werke vermitteln einen Eindruck von den verschiedenen Auffassungen der Teilnehmer. Galeristin Marianne Westerheide beschreibt die Exponate als "Momentaufnahmen". Und trifft damit wohl den Kern. Denn die meisten sind weniger exakte Darstellungen von Gesehenem als vielmehr Bild gewordene Augenblicke. Eindrücke finden zueinander und entfliehen wieder. Die Aussicht weitet sich, ermöglicht immer neue Blickwinkel.

So hält Sergej Uchatsch aus Jena in kleinen Formaten scheinbar zufällige Sichten fest. Details der Burg oder die Raniser Elisabethkirche finden sich in seinen Monotypien wieder. Der Weimarer Martin Neubert symbolisiert mit verschiedenen Mustern und Oberflächen bewegte, vorbei huschende Szenen. Er verwendet dazu auch Ketchup und Pflaumenmus. Filigrane Grafik ist dagegen das Metier von Andreas Berner aus Wurzbach. Seine feinen Strukturen scheinen aus den Rahmen zu schweben. "Ätherisch leicht und doch markant", schwärmt Marianne Westerheide. Sibylle Manias (Weimar) Fotos halten Merkwürdiges fest, Bettina Schünemanns (Gotha) Ölbilder Farbenspiele. Aus selbst geschöpften Papier entstehen bei der Jenaer Textilkünstlerin Barbara Schröder Landschaften, wie sie für die Region typisch sind. Anna Akbar aus Weimar schließlich macht mit wenigen Strichen Bewegung erfahrbar.

Die Texte von Kai Agthe (Naumburg), Ingrid Annel (Tiefthal), Matthias Biskupek (Rudolstadt), Ines Eck (Jena), Annerose Kirchner (Gera) und Jan Volker Röhnert (Jena) werden am Sonntag in einer "Treppenlesung in der Galerie" vorgestellt. Die Autoren selbst bringen ihre Arbeiten - keine durfte länger als drei Schreibmaschinenseiten sein - zu Gehör. Zudem werden Worte und Bilder des Arbeitstreffens "Weitere Aussichten" in einem Sonderband des Glaux Verlages Jena präsentiert.

Beginn der Vernissage am Sonntag ist 17 Uhr. Die Exposition ist bis Mitte Januar in Ranis zu sehen. Im nächsten Jahr soll sie nach Jena, Erfurt und Berlin wandern.