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Nach dem Ärger zog das Lachen ein: Kaminer vor 250 Gästen in Schleiz

 
26.06.2012

Besucherrekord bei 15. Literaturfest

von Annerose Kirchner Ostthüringer Zeitung

Harry Rowohlt auf der Burg Ranis. Foto: Annerose Kirchner

Wer vergangenes Wochenende auf die Burg Ranis pilgerte, brauchte keinen Vorrat an Sitzkissen und Decken. Herrlichstes Sommerwetter machte Laune, unterm Lesezelt Meister-Vorleser Harry Rowohlt zu lauschen, der sein Publikum, an die 250 Zuhörer, magisch in den Bann zog.

Ranis. Im Anschluss an die Lesung von Harry Rowohlt signierte der Hamburger seine Bücher, schon in Vorfreude auf die echte Thüringer Sülze vom Schmiede-Wirt im Ort. Die wurde höchstpersönlich auf die Burg gebracht, denn Rowohlt fand's droben viel schöner und blieb bis in den Abend, um mit Schauspieler Axel Prahl noch Bier zu trinken. Beide gehörten zu den Akteuren, die der Jenaer Lese-Zeichen e. V. im Rahmen der 15. Thüringer Literatur- und Autorentage eingeladen hatte.

Allein die 15 Veranstaltungen auf der Burg wurden von etwa 2400 Gästen besucht. Das ist neuer Besucherrekord, freut sich Projektmanagerin Anke Scheller, die im Auftrag des Lese-Zeichen die Kunst- und Literaturburg Ranis betreut.Was vor 15 Jahren, im Juli 1998, noch bescheiden begann, hat sich zu einem Kunstsparten übergreifenden Event entwickelt.

"Die Idee stammt", erzählt der Literaturwissenschaftler und Lese-Zeichen-Mitbegründer Dr. Martin Straub, "vom Graphischen Großbetrieb Pößneck und Hans Westerheide, dem damaligen Leiter Einkauf. Letzterer hatte Landolf Scherzer und mich zu einem Gespräch eingeladen. Wir haben die Idee zuerst mit Skepsis aufgenommen. Aber schon die 1. Literaturtage haben uns überzeugt, dass wir für das Projekt in unserer Region ein Publikum finden. 15 Jahre sind natürlich ein Novum. Dazu gehören auch die monatlichen Autorenlesungen auf der Burg, die von September bis Mai stattfinden. Daraus hat sich ein Stammpublikum gebildet, das uns bis heute die Treue hält."

Ein Lesefest mit hohem künstlerischen Anspruch, das weit über Thüringen ausstrahlt und ein breites Publikum erreicht das bietet die Literaturburg mit ihrer ganz eigenen Atmosphäre, mit Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, einem deutschlandweit bekannten Poetry Slam, mit Kinderfest und MDR-Figaro-Lesecafé.

Prominente Namen stehen neben solchen, die mehr im Stillen wirken, wie dieses Jahr Sigrid Damm, Landolf Scherzer, Iris Berben oder Erzähler Nicol Ljubic, Artur Becker und bemerkenswerten Lyriker Norbert Hummelt und Jan Wagner."

Klarsichttauglich" hieß der politisch-kulturelle Frühschoppen zum Thema "Gleichstellung von freien und institutionellen Kulturträgern", zu dem Vertreter der Landtagsfraktionen geladen waren, aber nur SPD und Linke Interesse bekundeten.