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11.03.2002

Bei immer neuen Ideen kein Platz für Routine

Ostthüringer Zeitung

Unterhaltsamer Abend mit Schriftsteller Lutz Rathenow auf Burg Ranis
Ranis (OTZ/M.K.).

Viele Wege führen nach Ranis. Der Berliner Autor Lutz Rathenow reiste eigens für die Lesung am vergangenen Donnerstag aus Dublin an. Dort hielt der 49-jährige Germanist Vorträge an der Uni. So stand der Gast noch unter dem Eindruck einer ereignisreichen Reise, was ihm jedoch nicht in Verlegenheit brachte. ?Ich habe kein Programm für eine Lesung, sonst wird es langweilig?, sagte Rathenow, der bereits zweimal in Pößneck gelesen hatte, doch die Burgstadt nur als Besucher anlässlich der Literaturtage 2000 kannte. Rathenow bezeichnete sich als ?kein Handwerker, der nur abspult?, und lieferte damit im Anschluss an seine Lesung selbst die Begründung für ein abwechslungsreiches Schaffen, das Lyrik, Prosa, Satire sowie Beiträge für Zeitungen und Rundfunk umfasst. Mit immer neuen Ideen trete er gegen mögliche Routine an. ?Ich probiere immer etwas Neues aus?, so sein Geheimnis. Jüngst fand er in Sketchen für das Radio eine neue Herausforderung. ?Damit habe ich eine Form gefunden, mit der ich etwas anbieten kann.? Die tägliche Mitarbeit an einer TV-Sendung sei für ihn dagegen ausgeschlossen. Grundsätzlich unterscheidet Rathenow nach Texten, in denen es um eine ?distanzierte, ironische Betrachtung von Welt, Umwelt und mir selbst geht? sowie einer ?analytischen Reflexion von Aspekten der DDR-Geschichte?. Dieses nüchterne Herangehen mag auch der Grund dafür sein, weshalb Literaturwissenschafter Dr. Martin Straub vom Lese-Zeichen e.V. am Donnerstag bei Lutz Rathenow eine ?eher
freundliche Satire? erkannte. In seinem neuesten, Ende März erscheinenden Buch ?Die Fünfzig. Gedichte?, das in Ranis vorgestellt wurde, lässt der mehrfach preisgekrönte Schriftsteller seine weithin anerkannte Qualität aufblitzen. Zeilen wie ?Älter werden gelingt nicht jedem, der älter wird? aus dem Gedicht ?Hinter den Wolken ist noch Licht? liefern den Beweis, warum der gebürtige
Thüringer immer wieder die Form weniger Worte wählt, um ein Maximum an Empfindungen auszudrücken. Gedichte sind für ihn ?die privateste
Form eines Gespräches?. Außerdem mag er als Leser Gedichte am liebsten, ließ er sein Publikum wissen. Nicht nur in seinem Heimatland ist Lutz Rathenow äußerst beliebt. In einer Umfrage unter Lesern des angesehenen Wiener Monatsmagazins ?Buchkultur? konnte er sich bei der Wahl zum Autoren des Jahres auf Rang 7 noch vor Bestseller-Autor Umberto Eco (?Der Name der Rose?) platzieren. Für den eigenwilligen Musiker und Schauspieler Heinz Ratz, der 2001 zum Auftakt der Literatur- und Autorentage in Ranis zu erleben war, lieferte Rathenow Texte für ein komplettes Projekt. Und in seiner Schublade liege Stoff für mehrere Publikationen allein in diesem Jahr, verriet Rathenow in Ranis. Zu seinem 50. Geburtstag am 22.September dieses Jahres plane
das MDR-Fernsehen eine 30-minütige Sendung mit ihm. Auch hier sind die Ideen des Erzählers, Lyrikers und Dramatikers gefragt.