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15.06.2015

Auf literarischer Reise in Ranis

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Marion Brasch, Hörfunkjournalistin und Schriftstellerin, weilte am Sonnabend nach 2012 das zweite Mal auf der Burg. Foto: Mario Keim

Die Thüringer Literatur- und Autorentage lockten am Wochenende 1500 Besucher auf die Burg Ranis.

Ranis. In Ranis (Saale-Orla-Kreis) ist gestern das literarische Wochenende im Rahmen der 18. Thüringer Literatur- und Autorentage zu Ende gegangen. Zu den 15 Veranstaltungen auf der Literatur- und Kunstburg kamen nach Angaben des Veranstalters Lese-Zeichen e.V. 1500 Besucher, so viele wie im Vorjahr.

Zu den Höhepunkten zählten neben dem 8. Poetry Slam am Freitag die Lesungen mit Eugen Ruge, Marion Brasch, Ann Cotten, Frank Schulz und Thomas Brussig. Letzterer las im Rahmen des „Figaro-Lesecafé“, das Michael Hametner live fürs Radio moderiere.

Allein 300 Besucher kamen am Sonnabend zum Konzert mit dem als Straßenmusiker bekannt gewordenen Felix Meyer, der bei seinem zweiten Gastspiel in Ranis vom Gitarristen Erik Manouz begleitet wurde. Zum Abschluss war gestern ein Lesekonzert mit dem Schauspieler Thomas Rühmann und dem Musiker Tobias Morgenstern geplant.

Als „ausgezeichnet“ bezeichnete Projektmanager Ralf Schönfelder vom Lese-Zeichen e.V. den Zuspruch beim literarischen Brunch mit den Thüringer Autoren Antje Babendererde und Landolf Scherzer, die musikalisch von den Lyrischen Saiten aus Leipzig begleitet wurden. „Wir haben fast eine Stunde überzogen, so schön war es“, sagte Schönfelder

Nach seiner Einschätzung sei das Konzept, „dem Ganzen unter dem Motto ‚Entschleunigt Euch!‘ einen thematischen Rahmen zu geben, gut aufgegangen. Das habe ich von vielen Seiten gehört. Es wurde wie eine Reise aufgenommen.“ Der Projektverantwortliche zeigte sich sehr zufrieden mit den Zuschauerzahlen. Allein zur Eröffnung mit Eugen Ruge kamen 80 Besucher. „Das hatten wir seit vielen Jahren nicht mehr.“ Beim Poetry Slam mit Sieger Laurin Buser aus der Schweiz seien ebenfalls mehr Gäste gekommen als in den Jahren zuvor.

„Was mich gefreut hat: Schon am Sonnabend war das Programm sehr abwechslungsreich: Wir hatten etwas Unterhaltsames mit Marion Brasch und anspruchsvolle Literatur mit Ann Cotten. Ihre Lyrik kam sehr gut an. Und es gab das Konzert mit Felix Meyer. Ich habe den Eindruck, dass viele Leute zum ersten Mal auf der Burg waren, gerade durch die Veranstaltungen am Abend.“ Das seien Besucher, die damit auch die Burg entdeckt hätten.

„Für Leute wie ihn habe ich dieses Buch geschrieben“, scherzte Autorin Marion Brasch in ihrer humoristischen Art und schlug den Bogen von ihrem neuen Buch „Wunderlich fährt nach Norden“ zu Moderator Hansi von Märchenborn aus Trockenborn, der im wirklichen Leben Johannes Wunderlich heißt. Die Berlinerin fühlte sich „sehr wohl“ bei ihrem zweiten Besuch in Ranis, nachdem sie 2012 ihr Debüt „Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie“ vorgestellt hatte.

Skurrile Figuren beschreibt Frank Schulz in seinem neuen Krimi „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“, der eine Fortsetzung von „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ ist und auf einem Kreuzfahrt-Clubschiff spielt. Der Hamburger gilt als der Lieblingsautor von Harry Rowohlt und Sven Regener und brachte seine Fans gestern eine Stunde lang zum Schmunzeln.

„Ich finde, es war in diesem Jahr ein besonders fantastisches Programm, ja auch mutig. Mir gefällt immer wieder die Atmosphäre. Die Burg gibt jedes Mal ein schönes Bild ab“, sagte Lektor Helge Pfannenschmidt aus Dresden, der die Zeit in Ranis als Besucher genoss.

Für Frank Michael Wagner aus Rudolstadt ist es ein „kleines und feines Festival mit guten Ambiente. Die Auswahl fand ich wieder sehr gelungen.“

Im Rahmen der Literaturtage findet heute um 20 Uhr im Augustiner-Saal in Neustadt/Orla eine Lesung mit dem ARD-Literaturkritiker Denis Scheck statt.