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24.03.2016

Antje Babendererde aus Liebengrün: Thüringer Schiefergebirge als Romankulisse

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Die Autorin Antje Babendererde. Foto: Babendererde

Liebengrün. Die 16-jährige Mila kommt als Austauschschülerin nach Moorstein, eine fiktive Kleinstadt im Thüringer Schiefergebirge. Hier verliebt sie sich in Tristan, einen coolen, selbstbewussten Gymnasiasten. Als der 19-jährige Lucas in das ostthüringische Städtchen zurückkehrt, gerät die Gefühlswelt der drei Jugendlichen ziemlich durcheinander. Zumal jeder der Drei ein dunkles Geheimnis besitzt, das er nicht preisgeben möchte.

Die Liebengrüner Autorin Antje Babendererde feierte bisher vor allem mit sozialkritischen, zeitgenössischen Indianergeschichten im Jugendbuchsegment Erfolge. 2013 ließ sie mit „Isegrim“ ihren ersten Roman in Thüringen spielen. Nun folgt mit „Der Kuss des Raben“ die zweite im Freistaat angesiedelte Geschichte. Das Thüringer Schiefergebirge – Babendererdes Wahlheimat – bietet dabei eine landschaftlich reizvolle wie geheimnisvolle Kulisse. So lässt sie Mila beispielsweise in einem leuchtend-türkisen Schiefersee baden, ein Relikt des einstigen Schieferbergbaus. „Die Schieferlöcher haben sich inzwischen mit Wasser gefüllt“, sagt die Schriftstellerin. „Die verrückte türkise Farbe kommt vom Alaun.“

Insgesamt zwei Jahre schrieb die 1963 in Jena geborene Autorin an ihrem neuesten Buch. Wobei ihr Schreibrhythmus in der Regel jahreszeitlich bestimmt ist. Während im Frühling und Herbst unzählige Lesungen anstehen, ist der Sommer dem „normalen Leben“ vorbehalten. Im Winter, vor allem von Januar bis März, schottet sich Baben- dererde ab, um zu schreiben. „Dann sind wir hier in Liebengrün oft eingeschneit“, sagt sie. Außerdem sei der Winter einfach die ruhigste Jahreszeit.

Pünktlich um sieben Uhr morgens sitzt sie dann am Schreibtisch. Ist sie einmal im Fluss, falle es ihr unwahrscheinlich schwer aufzuschauen. „Ich muss mich dann regelrecht zwingen, auch mal rauszugehen“, sagt Antje Babendererde. „In dieser Zeit ist es nicht einfach, mit mir auszukommen“, sagt sie. Auch in der Endphase zum „Kuss des Raben“ habe sie ihrem Umfeld mitunter viel zugemutet. „Das Schreiben ist eben kein kontrollierbarer Prozess.“

Nun ist der knapp 500 Seiten umfassende Band fertig. Diesmal sei es ihr besonders um die dunkle Seite des Menschen gegangen, um das Böse in uns. Ihr Roman kreise um die Frage, ob jeder die Macht habe, seinen inneren Dämon zu bändigen? Ob wir uns letztlich bewusst gegen unsere Prägungen aus der Kindheit – und seien sie noch so negativ – entscheiden können?

Auch ein neues Buchprojekt ist bereits in Planung. Dafür wendet sich Antje Babendererde wieder der Welt der Indianer zu. Zur Recherche fliegt sie erneut in die USA. Vier Wochen wird sie bei den Pueblo-Indianern in New Mexico verbringen. Damit sei das Thema Thüringen literarisch aber keineswegs abgeschlossen, versichert die Autorin.

Antje Babendererde: „Der Kuss des Raben“. Arena Verlag. 496 Seiten, 17,99?Euro