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26.06.2012

500 Zuhörer beim Lesekonzert mit Axel Prahl auf Burg Ranis

von Achim Stegmüller Ostthüringer Zeitung

Ein gut aufgelegter Axel Prahl begeisterte sein Publikum mit einem Programm zu Ehren seines Freundes Manfred Bofinger, dem bekannten Buchillustrator, dem auf der Burg Ranis eine Ausstellung gewidmet ist. Foto: Yvonne Hauf

Axel Prahls Lesekonzert und Hommage an seinen 2006 verstorbenen Freund Manfred Bofinger am Sonnabendabend war ein Höhepunkt der diesjährigen Thüringer Literaturtage auf Burg Ranis. Mehr als 500 Zuschauer waren im Burghof unter dem Zelt und dem Sternenhimmel begeistert.

Ranis. Axel Prahl, nicht nur aus "Tatort"-Folgen als Schauspieler allseits bekannt, als Sänger mit der Gitarre nicht minder großartig, aber noch nicht ganz so bekannt, sang passend zum Auftakt des Abends Gershwins Klassiker "Summertime". Und dann erzählte er vom Beginn seiner Freundschaft mit dem genialen Karikaturisten, Cartoonisten und Buchillustrator: Im Film- und Fernsehmuseum am Potsdamer Platz in Berlin sah er einen Trickfilm Bofingers, in dem ein Skispringer von der Schanze abhebt und fliegt und fliegt, an einem Vogel vorbei, sich beim Fliegen eine Tasse Kaffee einschenkt und fliegt und fliegt.

 Prahl war begeistert, wurde kurz darauf von einem Herrn angesprochen, "der mit seinem Bart, der Glatze, der runden Nickelbrille und den beiden wachen, klugen und warmherzigen Augen dem lieben Gott so ähnlich sah." Das war Bofi persönlich. Die beiden drückten sich gegenseitig ihre Hochachtung aus und gingen gleich zusammen trinken.

Die tiefe, herzliche Verbundenheit von Bofinger und Prahl war den ganzen Abend über zu spüren. Prahl sang zur Gitarre eigene Lieder und Coverversionen, und er las aus Bofingers Büchern. Bofingers literarische Miniaturen sind pointiert und knapp, unmittelbar eingängig wie auch irritierend. Und sie überraschen immer wieder. 

Prahls Vortragsweise ließ die Zuschauer schnell an seinen Lippen hängen, Bofi war wieder da: Die Zuschauer lauschten still, lachten, manchmal laut und manchmal leise, sangen mit Prahl, stimmten freudig ein zu "Es geht doch nichts über ein gemeinsam gesungenes Lied."

So wurde dieser Abend zu einem Fest, das bestimmt auch Bofi gefallen hätte. Axel Prahl selbst war wiederum auch sehr angetan vom wundervollen Ambiente und sein Dank für die Einladung zu den Literaturtagen war ebenso herzlich und aufrichtig wie der ganze Abend, an dessen Ende es ziemlich kühl wurde. Die Atmosphäre hätte aber nicht warmherziger sein können.

Manch einem Besucher mag es auch noch Tage nach dem Lesekonzert gehen wie dem Skispringer: Mit Bofingers und Prahls Humor lässt es sich trefflich über die Untiefen des Lebens schweben, ja, fliegen.