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29.04.2016

19. Thüringer Literatur und Autorentage auf Burg Ranis

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Die Burg Ranis. Foto: Keim

Die Thüringer erfahren seit einem Jahr unmittelbarer als je zuvor und auf unterschiedlichste Art und Weise das Fremde. Diesem großen gesellschaftlichen Thema stellen sich die 19. Thüringer Literatur und Autorentage mit einer kulturellen Sicht der Dinge.

Ranis. „Nächster Halt: Fremde Welt!“ lautet das diesjährige Leitmotiv des Festivals, das wie immer federführend vom Lese-Zeichen e. V. veranstaltet wird und von der Burg Ranis aus ins Land strahlt. Die ersten Lesungen der Reihe mit über vierzig Veranstaltungen finden beginnend mit der nächsten Woche statt und zum langen Literaturwochenende auf der Burg wird vom 9. bis 12. Juni eingeladen.

Fremde Welten lassen sich literarisch am besten mit Schriftstellern erfahren, die dort mittelbar oder unmittelbar ihre Wurzeln haben, diese aber auch mit einer gewisse Distanz betrachten. Hierfür steht der Deutschtürke Selim Özdogan. „Das ist der türkische Wladimir Kaminer“, ordnet Ralf Schönfelder, Projektleiter des Lese-Zeichen e. V., den Gast ein, welchen er schon am 3. Mai um 19.30 Uhr auf Burg Ranis vorstellen wird. Der sehr fleißige Autor, dessen Bücher schon Filmen den Stoff gegeben haben, liest am Dienstag aus seinem quasi druckfrischen Roman „Wieso Heimat, ich wohne zur Miete“. Einerseits berührend, andererseits herrlich politisch unkorrekt erzählt der 45-Jährige vom Leben zwischen seinen Welten. Selim Özdogan weise nach, „dass man lachend und ernsthaft zugleich von Integration und Identität erzählen kann“, so Ralf Schönfelder.

Noch einen drauf setzt der Lese-Zeichen e. V. mit dem Gast, welcher am 9. Juni um 20 Uhr die Eröffnungslesung des langen Literaturwochenendes auf der Burg bestreiten wird. So konnte mit Boualem Sansal ein Schriftsteller gewonnen werden, welcher für den Literaturnobelpreis gehandelt wird. „Er gehört zu den wichtigsten Autoren der arabischen Welt“, so Ralf Schönfelder. Als Muslim scheue sich Boualem Sansal nicht, radikale Strömungen im Islam öffentlich zu kritisieren. Sein Mut wurde mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2011 gewürdigt. Der französisch schreibende Algerier wird in Ranis von der Frankfurter Literaturkritikerin Sandra Kegel vorgestellt. Christine Hansmann aus Erfurt, Lyrikerin und als Opernsängerin bekannt, wird dann Abschnitte aus drei Romanen Sansals vorlesen, darunter „Das Dorf des Deutschen“, eine kompromisslose Familiengeschichte zwischen Nationalsozialismus und Islamismus.

Und was gibt es an den weiteren Literaturtagen auf der Burg? Da wäre der beliebte Poetry Slam, welcher am 10. Juni ab 19.30 Uhr wie immer an der Schmiede steigt und dessen Karten jetzt schon zur Hälfte weg seien. In den 11. Juni wird mit einem Literarischen Brunch gestartet, welcher von den Schriftstellern Matthias Biskupek und Ulf Annel, musikalisch von den Lyrischen Saiten, kulinarisch von Sinneslust Catering aus Saalfeld bestritten wird. Vom 12. Juni sei der Abend erwähnt – zum einen mit der unverwechselbaren Schauspielerin Katharina Thalbach, die 19 Uhr aus „Die Analphabetin, die rechnen konnte“, einer aberwitzigen Geschichte des Schweden Jonas Jonasson, liest, zum anderen mit der deutschen Fußballnationalmannschaft, deren Europameisterschaftsspiel gegen die Ukraine ab 21 Uhr auf Großleinwand präsentiert wird.