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25.03.2013

Zwischen Pathos und einem verzweifelten Versuch - Thüringer Bachwochen in der Villa Rosenthal eröffnet –Junge Generation ohne Zugang zu ehrwürdiger Barockmusik

von Stefanie Bühlchen TLZ

Im Vorraum knistert leise das Holz im Kamin, der Duft durchströmt die Räume der Villa Rosenthal. Bis auf den letzten Platz ist die untere Etage gefüllt.

"Willkommen in meinem zukünftigen Haus", begrüßt Andre Schinkel die Besucher mit einem Augenzwinkern. Der Hallenser Lyriker zieht als Stadtschreiber im nächsten Jahr in die Villa ein. Neben Schinkel sind weitere Künstler zu Gast: Christian Rosenau und die beiden ehemaligen Stipendiatinnen des Hauses, Bärbel Klässner und Nancy Hünger. Sie alle hatten für diesen Abend der "Langen Nacht der Hausmusik" den Auftrag bekommen, eigene Texte für diesen Abend zu schreiben, der mit "Anna Magdalena Bach" überschrieben war. Begleitet wurden sie von vier Musikerinnen der Musik- und Kunstschule Jena.

Andre Schinkel legte mit einem Text vor, der es in sich hatte. Er wolle schreiben, dass es nur so rauscht in den Ohren der Schöpfung. Die Jenaer dürfen gespannt sein.

Nancy Hünger tat sich da schon etwas schwerer. Ihre ganz eigene Musikgeschichte beginne ohnehin erst 1946. Was solle sie denn da mit Bach anfangen? Sie gesteht: "Bach habe ich nie gemocht." Hünger hat es geschafft, aus ihrer Verzweiflung heraus kreativ zu werden. Damit befand sie sich in bester Gesellschaft mit Barbara Klässner, die zugab, dass sie nach Bach erstmal die "Toten Hosen" auflegen müsse. Und überhaupt, was gehe sie eigentlich dieses barocke Familienjodeln an? Als einen Scheiterauftrag bezeichneten Hünger und Klässner die Aufgabe, für diesen Abend etwas Ehrewürdiges und Pathetisches dichten zu müssen. Nein, das hätte auch nicht zu ihnen gepasst.

"Ich nehme es mit dem Pathos auf", sagte Christian Rosenau. Der Weimarer Musikpädagoge und Lyriker hatte natürlich die besten Voraussetzungen. Er wolle das kontradiktorische Moment Bachs sprachlich umsetzen, sagte er und nahm alle drei Schreiber mit auf die Bühne. Irgendwo zwischen Pathos und dem verzweifelten Versuch, einen Zugang zu Bach und dem Notenbüchlein zu finden, lag dieser Abend. Doch gerade dieser Kontrast war das Erfrischende. Und jeder einzelne der Besucher konnte sich der einen oder anderen Richtung bedingungslos anschließen