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03.09.2016

Zwischen Krähen und Worten – Lesung auf Burg Ranis

von Marko Kruppe Ostthüringer Zeitung

Die Schriftstellerin Monika Maron im Gespräch mit Moderator Ralf Schönfelder. Foto: Marko Kruppe

Dreißig Besucher begleiteten Donnerstagabend die Eröffnung der literarischen Herbst/Winter-Saison des Lese-Zeichen e. V. auf der Burg Ranis.

Ranis. Die bekannte Schriftstellerin Monika Maron las aus ihrem unlängst erschienenen Buch "Krähengekrächz". Der Band entstand während der Arbeit an einem Roman, in dem Krähen auch zum Thema werden. Bei der Beschäftigung mit diesen Vögeln wurde sie neugierig, beschäftigte sich intensiver mit den Tieren und so schrieb sie, eher unbeabsichtigt, das "wohl einfühlsamste Buch über Krähen", wie Ralf Schönfelder vom Lese-Zeichen e. V. in seiner Anmoderation bemerkte.

Und so nahm die in Berlin lebende Autorin das Publikum mit auf Streifzüge durch "ihr Revier", wie sie sagte, und stellte das intelligente Tier als solches vor. Dabei erzählte sie nicht nur, dass Krähen in der Lage seien, menschliche Gesichter zu erkennen, sondern ging auch auf den Vogel und seine mythologische Bedeutung ein. Auch geschichtliches Wissen bewies die 65-Jährige. Sie beklagte die menschliche Sicht auf die Krähe, die durch das Christentum als Vogel des Teufels bezeichnet wurde. "Der Wert der Tiere wurde irgendwann an ihrem Nutzen festgemacht, die kluge Krähe gehörte zu den nutzlosen Tieren", schreibt Monika Maron.

Im zweiten Teil des Abends las sie aus ihrem bereits 2013 erschienenen Band "Zwischenspiel". Hier trug sie einen Auszug vor, in welchem sie sich mit Trennung und Trauer beschäftigt, dabei in die eigene Gedankenwelt abgleitet, wo im "Verlies ihrer verbannten Erinnerungen" so manche Person schlummert, die sie in bestimmten Situationen wiederentdeckt und beschreibt.

In beiden Teilen der Lesung spielte sie pointiert mit einem Wortwitz, der selbst bei dem Thema Trauer spitz aus einem Satz heraus schnellte, kaum wahr genommen wurde, bis er sich in den Köpfen der Zuhörer entfalten konnte. Monika Maron wies ihren Hörern enorme Klugheit nach, aber auch die Fähigkeit, prosaische Beschreibungen mit Witz und Charme so zu kombinieren, dass ein durchaus dichtes, sehr intensiv geflochtenes Bild entstand.

"Ich fand das Thema Krähen sehr spannend aufbereitet und von ihr auf eine sehr persönliche, sensible Ebene gebracht. Im zweiten Teil des Abends wurde sie mit dem Ausdruck ihrer Gefühle und Erfahrungen als Mensch erkennbarer. Sie hat einen unbeschwerten Erzählstil, was mir sehr gut gefällt", sagte der eigens für diese Lesung aus Gera angereiste Autor Tristan Rosenkranz. Er lobte die Schriftstellerin, die er zwar "vom Namen her schon kannte, aber bislang noch kein Buch von ihr in der Hand hatte".