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05.01.2005

Zweigstelle wird wieder eröffnet

von Barbara Glasser TLZ

Jena. (tlz) Zuerst die gute Nachricht: Ab heute bezieht die Ernst-Abbe-Bücherei wieder ihre inzwischen sanierte Zweigstelle in Lobeda-Ost. Der Umzug und das Einsortieren der Bücher dauert eine Weile. "Vor dem 17. Januar können wir wohl nicht eröffnen", sagt Dr. Annette Kasper, die Leiterin der Ernst-Abbe-Bücherei.

Und nun die schlechte Botschaft: Wenn der Vorschlag des Oberbürgermeisters, auf dem Kultursektor - also beim Eigenbetrieb JenaKultur, zu dem die Ernst-Abbe-Bücherei gehört - 600 000 Euro einzusparen, beim Stadtrat erhört wird, dann heißt das: Die Bücherei-Zweigstellen in Lobeda-Ost und in Nord würden geschlossen. Das ist sicher auch dem Oberbürgermeister klar. Nur würde die Schließung dieser beiden Einrichtungen gar nicht die große Einsparung bringen. "Es gibt langfristige Mietverträge, und die Arbeitsverträge der langjährigen Mitarbeiter sind auch nicht von einem Tag kündbar", erläutert Annette Kasper. Aus ihrer Sicher würde eine Schließung der beiden Zweigstellen zunächst einmal teuer. Denn die Betriebs- und Personalkosten seien auch zu zahlen, die Einnahmen indes würden ausbleiben. Fatal wäre eine Schließung zudem, weil die beiden Zweigstellen mehr als ein Drittel der Leistungen der gesamten Ernst-Abbe-Bücherei bringen.

Derzeit hat die Bücherei einen Etat von 102 000 Euro fürs angelaufene Jahr. 17 000 Euro davon sollen vom Land kommen. "Die denken wir erst einmal weg, denn wir haben noch keinen endgültigen Bescheid, also diskutieren wir jetzt über die Verteilung von 85 000 Euro", sagt Annette Kasper. Und das sei natürlich nicht sonderlich viel angesichts der Preise im Buchhandel. "Für 5000 Euro bekommen wir etwa 520 Bücher im Sachgebiet Belletristik, bei den Sachbüchern haben wir im vergangenen Jahr 10 700 Euro für 750 Bücher bezahlt." Alternativen zur Anschaffung neuer Bücher und sonstiger Medien könne sie bislang nicht sehen.

In der Leipziger Stadtbibliothek beispielsweise gibt es inzwischen Buchpaten. Das sind Bürger, die Geld für den Erwerb dringend benötigter Bücher gespendet haben. "Ich kenne ein ähnliches Modell aus Reutlingen. Dort gibt es Vereinbarungen mit Buchhandlungen, die Büchertische zusammenstellen mit Publikationen, die in der Bibliothek benötigt werden. Bürger können diese Bücher kaufen, die dann der Bibliothek geliefert werden", erzählt Annette Kasper. Derzeit aber gebe es ähnliche Vereinbarungen in Jena nicht, zumal die Jenaer Buchhandlungen bereits jetzt zu den Spendern für die Bücherei gehören.